Blut, solange es seinen gewohnten
Bahnen, den Adern und den Venen entlang fließt, bedeutet Leben; es
bedeutet aber das Gegenteil, wenn es sich anderweitig ausbreitet,
gar wenn es aus dem Organismus hinaus strömt. Das wissen Menschen
schon seit langem; das wußten auch schon die alten Jäger, die nach
dem Erlegen ihrer Beute sahen, wie diese blutüberströmt verendete.
Fataler aber als diese allgemeine Erkenntnis hatte ehemals jene Scheinerkenntnis
gewirkt, die den Bezug auf Leben und Tod mit dem Menstruationsblut
der Frau herstellte.
Diese zyklischen Blutungen geschahen
nicht nur, wie wir schon erläuterten, in periodischer Entsprechung
zu den Sterbe-Phasen des Mondes; es wurde zudem beobachtet, daß sie
außerhalb der Schwangerschaft geschahen, zur Zeit also, da kein Gebären
in Sicht war. Was wäre nun in solcher Zeit anderes zu tun, um die
Fruchtbarkeit in Aufschwung zu bringen, als das Blut, welches dem
Weib entronnen, durch anderes abzugleichen; die ausbleibenden Geburten
der allmächtigen Natur durch Opfertod abzuringen? Das große Orakel
der mütterlichen Nacht, der leibliche Teilnehmer am Himmel, der Mond,
demonstrierte solchen Bezug von Sterben und Werden im eigenen Schwinden
und Wiederkehren. Selbst wir Heutigen sehen ein, daß die Gesamtheit
dieser Parallelen mit schauderlicher Stimmigkeit die Folge suggerierte:
Die Große Mutter muß mit Blut gesättigt werden, damit sich das Leben
erhält. Und von solchem Fazit aus haben jene ritualisierten Anordnungen
zu makabren Blutspenden ihren Lauf genommen, die wir in primitiven
Kulturritualen als den Brauch des Menschenopfers kennen.
Es ist nicht eindeutig zu bestimmen,
wann diese Formen archaischer Religionsausübung begannen. Gewisse
Anfänge haben wir sicher in den Gliederopferungen der Altsteinzeit-Jäger
zu sehen. Was aber verblüfft, ist, daß die exzessiveren Riten einer
mörderischen Praxis von unvorstellbarer Entfesselung erst später,
nämlich mit den Anfängen der Zivilisation florierten; ja, es sieht
so aus, als ob der Kult des menschlichen Blutopfers im Lauf des anfänglichen
zivilisatorischen Fortschrittes in den sogenannten Hochkulturen erst
recht zur Konjunktur gelangte!
Auffällig in diesen Praktiken
war, daß der geopferte Mensch kein beliebiger Mann aus der Sippe
oder dem Volk war, sondern das in der Gruppe herausragende Subjekt.
Seine Opferfunktion war mit dem Amt des Repräsentanten und Machtinhabers
in der Gruppe verbunden; das Opfer war der Prototyp des in der
Gruppe entstandenen Individuums, es war der König! Denn allein
der Beste konnte als Gefährte, sprich würdiges Opfer der Großen Mutter
taugen. James George Frazer, der geadelte Anthropologe und Koryphäe
in der einschlägigen Forschung des vergangenen Jahrhunderts, hat
in seinem Buch "Der Goldene Zweig" belegt, daß in den frühen
Kulturen des Nahen Ostens solche Opferungen von Gott-Königen stattfanden,
und die Ausgrabungen der königlichen Gräber von Ur unter Leonard
Woolley haben zutage gebracht, daß solche Praktiken im Stadtstaat
des sumerischen Mondgottes Nanna mit der Hörnerkrone sogar noch bis
zum Jahre 2350 v. Chr. andauerten.1 Die Kulturforschung
geht heute davon aus, "daß jeder Teil der archaischen Welt während
der verschiedenen Hochperioden seiner zahlreichen Kulturen irgendwann
einmal von Opferwut geradezu besessen war... Was wir Zivilisation
nennen und was wir Menschenopfer nennen, trat gemeinsam in Erscheinung",
weiß nicht nur Ken Wilber zu erklären.2
Die Beteiligung hochstehender
Personen als Opfer bei diesen Ritualen läßt auf das für uns kaum
Annehmbare schließen: Daß es sich dabei - zumindest anfänglich -
um freiwillige Selbstopferungen handelte. In der ungeschminkten Beschreibung
eines solchen Rituals, wie es uns von Joseph Campbell im oben zitierten
vierbändigen Werk nacherzählt wird, läßt ein solcher König zur gegebenen
Zeit das hölzerne Schafott bauen, auf welches er sich nach einem
rituellen Bad feierlich begibt, um dann mit "scharfen Messern...
vor den Augen des Volkes Teile seines Körpers abzuschneiden - die
Nase, die Ohren, Lippen, alle seine Glieder und so viel von seinem
Fleisch, wie er imstande war. Er warf diese Körperteile von sich
weg bis er so viel Blut verloren hatte, daß er ohnmächtig zu werden
begann, worauf er sich die Kehle durchschnitt." (ebd.)
Die Rituale variierten regional
wie epochal. In der Tendenz verlagerte sich der Opferstatus von den
offiziellen Gefährten der Großen Mutter, den ersten Königen, auf
'auserwählte' Untertanen, später auch auf herbeigeschaffte Sklaven
und menschliche Kriegsbeute. Wobei der Königsmord als bloße Formalie
lange beibehalten wurde, etwa in der Aufführung einer symbolischen
Auspeitschung des Königs während eines Tempel-Rituals.
Die geographische Ausbreitung
solcher Kulte war total; lediglich die Zeiten, in welchen diese Phase
körpergebundener Natur-Religiosität auf den verschiedenen Breitengraden
des Planeten herrschte, sind unterschiedlich. So unterschiedlich,
wie auch die Schwelle von der Alt- und Jungsteinzeit zu der historischen
Menschheitsphase in den verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich
erfolgte. Diese Interferenzen an den Übergängen der Epochen haben
zu einer Unbestimmtheit der Grenze zwischen Mond- und Sonnenkult
geführt, was unter anderem bewirkte, daß Menschenopfer-Praktiken
gelegentlich auch im Rahmen einer bereits eingesetzten Sonnen-Verehrung
noch stattfanden. Die archaisch-psychologischen Muster allerdings,
die belegen, daß die Praktiken ritueller Tötung und auch rituellen
Kannibalismus auf einem Mond-Mutter-Blut-Kult fußen, sind unbestritten.
Noch bei den Kelten, einem Volk,
das mitten in Europa Spuren von Urkulturen aufwies, finden wir untrügliche
Merkmale von Mutter- und Mond-Symbolik beim gehörnten Waldgott Cernunos
(=der Gehörnte) etwa und seiner Unterordnung unter die Muttergöttin.
Ein einschlägiges Ritual, dem diese beiden mond-kultischen Gestalten
vorstanden, obwohl es der Sommersonnenwende gewidmet war,
schildert uns Robert Graves in "Die weiße Göttin", einem
in den Kreisen der Matriarchat-NostalgikerInnen viel gelesenem Buch:
Der symbolische König wird in einen Kreis aus zwölf Steinen um eine
Eiche geführt, die in der Form eines T-Kreuzes hergerichtet ist.
Der vorher berauschte König wird gebunden, gepeitscht, geblendet
oder kastriert, dann auf einen Pfahl gespießt und auf dem Altar zerhackt.
Sein Blut wird über das versammelte Volk gesprengt und sein Leichnam
anschließend von den Anwesenden gefressen. Ähnliche kannibalische
Praktiken anderer Epochen sind uns als Pubertätsrituale bekannt,
in welchen, nach orgiastischen Tagen und Nächten, das junge Paar,
das am Ende der ausschweifenden Feierlichkeiten unter Trommelwirbel
und Rinderhörner-Getöse seinen Geschlechtsverkehr gewaltsam beenden
muß, weil es von einer herabfallenden Plattform schwerer Bambusstämme
zermalmt wird, um anschließend "geröstet und aufgefressen" zu
werden.3 Von der Göttin, die dem getöteten Gott in die
Unterwelt folgt und ihn dort als Opfer verzehrt, um ihn anschließend
wieder 'befreien' zu können, handelt auch das sehr populäre afrikanische
Mysterium, von dem Leo Frobenius in "Monumenta Afrikana" berichtete
und das mit Gesängen bei zahllosen Festlichkeiten in der Antike gefeiert
wurde.
Die gegenwärtige Unsitte, alle
Geschichte und Vergangenheit aus dem Blickwinkel eines Geschlechterkampfes
zu betrachten, veranlaßt nicht nur theoretische Feministen in den
heute 'Matriarchate' genannten Kulturen eine Zeit besonderer oder
gar ausschließlicher Verfügungsbefugnis der Frau zu phantasieren.
Auch Feminismuskritiker wurden oft etwas weinerlich über die erdrückende
Grausamkeit, die sich in den trüben Zeitaltern der frühen Kindheit
des Kulturmenschen über diesen legte.
Felix Stern läßt in seinem Buch "Und
wer befreit die Männer?" die Mutter-Kulte oder "die Domestizierung
des Mannes", wie er den Zweck solcher Praktiken nennt, kurz
Revue passieren. Dabei entkräftet Stern den Anspruch des Feminismus,
der aller archäologischen Befunde zum Trotz seinen plump gebackenen
Eierkuchen angeblicher einstiger matriarchaler "Friedfertigkeit" von
den editorischen Backstuben der Aufklärerinnen aus vertreibt. Er
verweist unverblümt auf die blutigen Praktiken der kulturellen Anfänge
unserer Zivilisation. Auf die "rituelle Tötung des Königs" in
Ninive etwa, die jährlich der Göttin Anaitis (Anahita) den schönsten
Knaben der Stadt als Sexopfer darbrachte, der, nach tagelanger sexueller
Ausbeutung durch die Priesterinnen der Göttin mehrfach und bis zur
gänzlichen Entkräftung vergewaltigt, "auf ein Lager mit Gewürzen,
Edelhölzern und Weihrauch gelegt, mit einem Goldtuch bedeckt und
bei lebendigem Leibe angezündet" wurde. Stern weist auf die
archäologischen Entdeckungen der achtziger Jahre hin, die zutage
brachten, daß selbst im minoischen Kreta, "einer kulturellen
Wiege Europas" und beim forscherischen Feministentum ein Vorzeige-'Matriarchat',
die Praxis von Menschenopferungen dem Kult angehörte. Er enthüllt
uns die irische Praxis, nach welcher die "Oberpriesterin der
Großen Mondgöttin ihr männliches Opfer eigenhändig, um es der 'Großen
Mutter zurückzugeben' und sein 'Blut der Wiedergeburt' in einer Schüssel
aufzufangen", enthauptete.4
Felix Stern vermerkt auch jene
besondere Verehrung der physischen Maskulinität, von der wir im vorangegangenen
Abschnitt sprachen, und die im kretischen Stier verkörpert wurde,
mit dem sich die "unersättliche" Königin Pasiphae vermählte.
Das alles aber führt er auf die Absicht der Frauen zurück, Männer
zur versklaven und zu gebrauchen. "Die rituelle Tötung des Königs
(Liebhabers) symbolisiert" lt. Stern "die gewaltige Sexualmacht
der Frauen über die Männer." Diese Macht übt ihre Kontrolle über
den Mann aus, sie unterwirft den Mann dem Weibe; Grund dazu, so Sterns
Auffassung, sei "die männliche Sucht von der alles verschlingenden
weiblichen Sexualität."
Es klingt doch ziemlich fatal!
Denn sollte diese Sucht in der Tat so bestimmend sein, daß sie derart über
den Erhaltungstrieb verfügte, wäre sie die oberste Instanz im Manne;
und welcher Faktor vermochte dann noch, den Mann von solcher überragenden
Sucht zu erlösen? Um die Frage Sterns selbst zu gebrauchen: Wer oder
was befreite dann noch den Mann, wenn dieser derart unfähig wäre,
als freie Person zu handeln? Solche Fragen mögen recht verwundern,
wenn sie sich aus den Gedanken eines Menschen ergeben, der ja eigentlich
die Befreiung des Mannes aus den Fängen gegenwärtiger politischer
Programmatik intendieren möchte. Und noch etwas:
Der Autor rügt zu Recht die "Bedeutungslosigkeit",
die der Mann in der sog. Matriarchatsforschung einnimmt; denn wirklich
beachtlich ist die Geflissenheit, mit der diese besonderen Feministinnen
in ihren 'Studien' der prähistorischen Vergangenheit das Dunkel jener
Zeit nutzen, um ihr mitgebrachtes Licht gezielt und allein auf das
eigene Geschlecht zu werfen. Indem aber der Mann auch beim Autor
des hier besprochenen Kapitels eine kaum größere Rolle einnimmt als
die des Trägers einer das Subjekt entwertenden biologischen Automation,
widerfährt Felix Stern genau das, was er der Matriarchatsforschung
vorwirft; auch er unterschlägt dem Mann jegliche weitere Bedeutung über
sein vermeintliches biologisches Fatum hinaus. Derartige Prädestinationen
taugen gewiß wenig als Quellen von Motivation. Vor allem aber, sie
sind falsch!
(Wie kann geschehen, daß man als
Kritiker der Geschlechterpolitik so unvermerkt der gegnerischen Auffassung
auf den Leim geht? Die Beantwortung dieser Frage zeigt, daß es kein
Ausweichen vom Thema ist, uns ihr an dieser Stelle kurz zu widmen.
Felix Stern gebraucht ein gängiges, gewohntes Menschenbild, welches
das heutige denkerische Verhalten bestimmt. Dieses Bild beruht auf
Menschen- und Welttheorien, die in den intellektualistischen Umwälzungen
der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts auf der Basis positivistisch-materialistischer
und tendenziös ausgelegter Freudscher Positionen entstanden. Dazu
gehört jene Überbewertung des Sexualtriebes, die schon zu Freuds
Lebzeiten Grund heftiger Auseinandersetzungen wurde und die uns heute
nebst dem 'schwanzgesteuerten Mann' zahlreiche weitere Versuche beschert,
mit denen Geist und Bewußtheit dem Trieb und dem 'Spaß' zum Fraß hingeworfen
werden sollen. Die oft verwendete Kulmination solcher Denkweisen
drückt sich am Ende in der Behauptung aus, alle Kultur sei allein
aus dem Bedürfnis des Mannes heraus entstanden, seine Gene zu vererben
(Trieb) und nicht etwa seine Gedanken (Geist) der Evolution einzuverleiben.
Die Vorstellung allerdings, daß die
Wiederherstellung maskuliner Interessen auch aus der Abrechnung mit
sich als selbstverständlich gebenden intellektuellen Erzeugnissen
der jüngeren Vergangenheit bestehen müßte, könnte sich einmal als
die am schwersten zu bewältigende Forderung innerhalb von Männergruppen
herausstellen. Aus diesem Grund kann die Erstellung erster Versuche
zu einem theoretischen Profil des 'Maskulismus' nicht früh genug
geschehen. Dieses beabsichtigen die hier eingerichteten Beiträge
immer gezielter, wenn auch viele sympathische Zeitgenossen unter
den Männerrechtlern oft eine beredte Scheu gegenüber der Silbe '-ismus'
walten lassen.)
Die Frage, die sich uns nach den
schockierenden Schilderungen der Blutrünstigkeit jener Urzeiten bietet,
in welchen die feministische Indoktrination ihre 'Matriarchate' ansiedelt,
lautet: Haben wir es bei diesen makabren 'Techniken' wirklich mit
Nachweisen einer Vorherrschaft der Weiblichkeit zu tun? Sind diese
Handlungsmuster, die vorwiegend das Maskuline als Opfer-Kandidaten
unbarmherziger Todes-Kulte vorsahen, im Rahmen eines Geschlechterkampfes
zu verstehen, der in jenen Anfängen der Zivilisation sogar von der
Frau gewonnen sein müßte? Oder wären die blutigen Rituale, die ihre
symbolischen Formen durchaus aus dem Geschlechtsleben - insbesondere
der gebärenden Frau - schöpften, als Umgang mit falsch verstandenen
evolutionären Maximen - noch besser: Befindlichkeiten - zu bewerten,
die mit einer Konkurrenz zwischen Mann und Frau nicht das Geringste
zu tun hatten? Hier eine parallele Frage zur Verdeutlichung: War
die Verehrung von Bäumen und Steinen bei primitiven Urvölkern ein
Beleg für die Vorherrschaft oder sonstigen Vorzug von Bäumen und
Steinen im tätigen Leben, oder war solche Verehrung lediglich Indiz
einer unreifen Auffassung des Wesens der Dinge und des Selbst?
Die Begriffe, die wir brauchten,
um eine klare und evidente Sicht der tatsächlichen Veranlassung zu
erhalten, aus welcher heraus der Frühmensch jene kultischen Gepflogenheiten
etablierte, haben wir in den hier unmittelbar vorangehenden Beiträgen
erstellt. Wir haben gesehen, daß Mensch-Sein zu keiner Zeit als eine
vom Evolutionsprozeß gelöste Daseinsform erfahren wurde, sondern
daß dieser Prozeß auch in den Zeiten, in denen der Mensch noch nicht
in der Lage war, sich ihn kognitiv zu vergegenständlichen, seinen
Einfluß auf den Menschen ausübte.
Diesen Einfluß haben wir deswegen
als entscheidender zu betrachten als die der Fortpflanzung dienenden
direkt-biologischen Einflüsse, weil die "Fortpflanzung ein Instrument
der Evolution ist und nicht umgekehrt", wie wir bereits konstatierten.
In diesem gleichen Sinn erwähnten wir auch "die immanente Priorität
des Künftigen, eine innewohnende Tendenz zum Werden entlang jener
Einbahnstraße, die dem unnachgiebigen Fluß der Zeit in die eine Richtung
namens Zukunft folgt."
Diese Priorität des Künftigen und
des Werdens vor dem jeweils Erreichten oder dem Vorhandenen eröffnet
einen Rahmen, in dem die Sexualität oder Fortpflanzung als Mittel enthalten ist,
ohne Anrecht auf End-Gültigkeit zu besitzen. Als innerhalb eines
umfassenderen Ganzen enthaltene, gewordene Dinge können Sexualität
und Fortpflanzung, ja selbst der Mensch als Mann und Frau nur Symbole
sein, die auf etwas hindeuten, das in diesem übergeordneten evolutionären
Ganzen noch nicht aktualisiert worden ist. Ihre bio-
bzw. physiologischen Attribute, so sahen wir in "Aspekte des
Phallischen",
finden erst auf dem ausgebreiteten Schirm der evolutionären Dimension
jene Projektionsfläche, auf welche sie sich als Symbole einlassen
können,
um etwas anzudeuten, das über sie hinaus geht.
Ferner beschäftigten wir uns mit
einigen Feldern evolutionärer Spannungen, mit Situationen also, in
denen der Mensch innerhalb seines Werdens Unbehagen erlitt. Diese
entstanden vordergründig entweder aus bilateralen Diskrepanzen zwischen
Individuum und Gruppe, indem etwa die Erfordernisse der Gruppen-Gegenwart
mit der Einsicht des Individuums in die Zukunft kollidierten; oder
aus bilateralen Diskrepanzen innerhalb des Individuums, indem nämlich
der Spagat zwischen dem aufsteigenden Ich und seinem materiellen
Ursprung im animalisch empfindenden Körper durch Überspannung gefährdet
schien. Solche Probleme konnten verständlicherweise erst mit der
Entwicklung des Denkens bis zu einem entsprechenden Grad und mit
der Manifestierung des Ich in diesem Denken, also mit seiner relativen
Entfremdung vom Körper, entstehen.
Zu alledem konnten wir nachvollziehen,
daß im Gesamtkomplex dieser Entwicklungspassion die Geschlechter,
anders als uns die Gender-Didaktiker gern erklären, keineswegs neutral
angesehen wurden. Im Gegenteil: Die Wahrnehmung von Mann und Frau
erzeugte komplementäre Analogien, die sich an den wesentlichen biologischen
Funktionsweisen und Erscheinungsformen der beiden Geschlechter orientierten
und die das Männliche und das Weibliche als Symbole stets im Kontext
einer polaren Gegensätzlichkeit einsetzten.
Wir wollen nun in diesem gedanklichen
Ambiente weiter ziehen, um als Nächstes nach einer verbindlichen
Antwort auf das "Was" der sog. Matriarchate Ausschau zu
halten.