DER MASKULIST
30.07.2001

W

elche Reaktion würde es wohl in diesem Land nach sich ziehen, wenn eine öffentlich-rechtliche oder auch eine private Fernsehanstalt sich so besonders männerfreundlich zeigen würde, wie dies in einer Filmreihe zum Ausdruck käme, deren Titel Lauter tolle Männer lautete, und in welcher Filme wie Frauen und andere Hindernisse, Frauen aus zweiter Hand, Frauen sind wie Zuckerbonbons oder Nur eine verprügelte Frau ist eine gute Frau gezeigt würden? Filme, in welchen die "Helden" allesamt als "wundervolle Männer" auftraten, die "alle Glück, Liebe und Erfolg wollen, aber keinesfalls um jeden Preis", weswegen sie ihr Ziel nur dadurch erreichen, daß sie ihre jeweiligen Lebensgefährtinnen, lauter "Nervensägen" und "Ekelpakete", die zudem den Fehler begehen, "die Solidarität der Männer" zu "unterschätzen", reihenweise in das Jenseits befördern, um schließlich zum "Happy-End" ihrer "heiterunterhaltsamen Geschichten" zu gelangen?

Gewiß, diese Frage kann nur rhetorisch verstanden werden. So etwas wäre unmöglich! Denn allein mit sauren Gurken hätte Vergleichbares nicht mehr prämiert werden können. Die Annahme ist sogar so abwegig, daß es sich nicht einmal lohnt, sich Gedanken darüber zu machen, was in einem solchen Fall passiert wäre. Gewalt gegen Frauen? Als Tat 'toller Männer'? Von einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt? Ja, steht denn am nächsten Tag diese Republik noch?

"Lauter tolle Frauen" stand einmal vor mir auf Kniehöhe zu lesen, als ich an einem Samstagmorgen (27. März 1999) am Zeitungsstand mit den aushängenden Boulevardblättern auf einer Einkaufsstraße der Innenstadt vorbeikam. Und daneben: "Starke Filme mit Starken Frauen". Es folgte weiter unten das Gesicht einer schwarzgekleideten Dame in Friedhofslandschaft, das unter einem schwarzen Hütchen, welches die kesse Form der Mephistopheles-Frisur in der klassischen Verfilmung aufwies, die verschmitzten Züge eines verborgenen Lächelns trug. Und wo noch etwas weiter unten sich die Schrift vergrößerte, wie immer dort, wo der eigentliche Gegenstand der Werbung steht, war zu vernehmen: "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann - Heute um 20 Uhr 15. ARD Das Erste".

Huch! Dieser Titel war deutlich! Deutlich das Letzte. Weil deutlich dumm, deutlich diskriminierend und deutlich böse. Ich tat also das Unangenehme: Ich kaufte mir die Bildzeitung!

Da hatte ich auch auf den Innenseiten gleich alles: Frau, Mann, Blut, Mord, die Hauptszene im Bild. Und der Text: "Die brave Thekla... männermordend". Warum bloß? "Fühlt sich von den Herren der Schöpfung im Glück gestört". Ach so?! "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann. Die das so klar erkannt hat, ist TV-Star Thekla.... Für die ARD-Sendereihe "Lauter tolle Frauen" präsentiert sie sich als lustig lachende Witwe, die ihre Nervensäge von Ehemann über den Jordan befördert hat. Und tschüs!"

So viel Sarkasmus? Und Selbstjustiz mit Mord bloß mit der Begründung "Nervensäge"? Und die Mörderin "tolle Frau"? "Aber nur im Film" hieß es weiter. - Gott sei Dank! Es ist also nur Spaß. Und wir sollen diesen Spaß gewiß verstehen, nicht wahr?

Zum Verstehen beitragen will diese Webseite allerdings. Versuchen wir's also. Schauen wir, woraus dieser Spaß besteht: Da sind die Geschlechter - Mann und Frau -, da ist Gewalt und Mord, Verherrlichung der Gewalt als Tat toller Frauen und ein leicht abgewandelter Standardspruch aus dem Rassisten-Repertoire, der alle Männer zum Abschuß frei gibt. Und da ist das Fernsehen. Das sorgt dafür, daß "um 20 Uhr 15", zur Zeit also, da die gesamte Familie (wo noch vorhanden) und die vielen "Alleinerziehenden" dieser "vaterlosen Gesellschaft" mit ihren Sprößlingen vor der Glotze hocken, sie sich mit den eben genannten Inhalten "dieser heiter-unterhaltenden Filmreihe" (Zitat ARD) unterhalten lassen können. Schön!

Zu alledem gesellt sich noch ein weiteres Merkmal. Die bereits ausgesprochene Feststellung nämlich, daß der morbid-sexistische Haß, der sich hier der primitiven Witzelei bedient, in der "Kultur" der Gegenwart niemals reziprok ist, sondern nur einem der Geschlechter gegenüber angewandt wird, dem männlichen.

War da noch was? Ja.

Wenige Monate vorher, am 16. Sep. '98, hatte ich schon mal das genannte Blatt gekauft. Der Haupttitel damals: "Ehemann erstochen. Lesben-Auftritt im TV". In diesem Artikel ging es um den Männermord einer nach eigenen Angaben zum Lesbentum übergegangenen Ehefrau und Mutter von zwei Kindern. Sie hatte ihren Ehemann mit 41 Messerstichen hingerichtet, einer Anzahl, die einem viel Zeit läßt, um die Tat zu realisieren, die er gerade begeht. Einige von diesen Messerstichen waren sehr tief! Die Erklärung der Scharfrichterin zum Hergang: "Ich ahnte, daß er [ihr Mann] mit mir schlafen will. Ich steckte mir ein Messer ein, um mich zu wehren." In solcher "Ahnung" begab sich diese also gerüstet zum Tatort!

Was das Fernsehen damit zu tun hat? Acht Wochen vor dem Mord präsentierte das lesbische Liebespaar seine Beziehung in einer jener Sendungen, in welchen private Sender den exhibitionistischen Neigungen eines Massenpublikums in sog. Talk-Shows eine Plattform für Präsentation bieten, die "Vera am Mittag" hieß und die sich einem Dilemma widmete, welches im Thementitel "Ich will ein Kind, aber nicht den Mann" ausdrückte, was heißt: "Was mach' ich bloß mit dem Samenspender?" In dieser Sendung beschrieben die verliebten Frauen ihre Situation unter anderem mit dem Satz: "Gibt da noch'n paar Probleme, aber die kriegen wir schon in den Griff." So das Boulevardblatt. Die Aufzeichnung wurde wenige Wochen nach dem Mord vom SAT.1 ausgestrahlt! Die Kripo beschlagnahmte daraufhin die Videoaufzeichnung der Sendung. Über das Weitere wissen wir nichts.

Die Frage, ob der Fernsehauftritt den Mord dadurch begünstigt oder gar initiiert hat, daß er der Täterin den Anschein eines moralischen Heimes bot, in welchem ihren spezifischen Anliegen das Entgegenkommen des allgemeinen Verständnisses suggeriert wurde, wird - zugunsten der Objektivität - Spekulation bleiben müssen. Wir wollen nicht so ungehalten wie die Bildzeitung sein; dort hieß es: "Sie hat ein 'Problem' beseitigt - und ihren Ehemann erstochen. Hat sich dieses Drama schon in der TV-Show angebahnt?" Genug, daß ein solcher Verdacht auf destruktive Einwirkung des Fernsehsenders in einem Mordfall berechtigterweise entstehen konnte.

Und lassen wir noch den Hinweis, daß die ARD ihre Männermord-Festlichkeiten gerade zu einer Zeit ausstrahlte, in welcher zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Fernsehsendern eine lebhafte Diskussion über die Darstellung von Gewalt und die Wahrung der Menschenwürde unter anderem in den diversen Talk-Shows entbrannt war, das Gesamtbild abrunden, in welchem der öffentlich-rechtliche Sender seine fragwürdige, sexistische und überaus geschmacklose Darbietung bot!

Unter dem Stichwort "Sexismus in den Medien" erging an die ARD-Zuschauerredaktion mit Datum vom 10 April´99 folgendes Schreiben:


Der erste Brief

.........,

Im vergangenen Jahr ermordete eine Ehefrau und Mutter von zwei Kindern ihren Mann mit einigen Messerstichen zuviel, kurz nachdem sie in einer dieser "progressiven" Frauensendungen eines Privatsenders zum Thema "Ich will ein Kind, aber nicht den Mann" ihr zu beseitigendes "Problem" angedeutet hatte, um sich fortan ihrem lesbischen Verhältnis widmen zu können. Vor allem die Boulevardpresse berichtete.

Das gleiche Blatt brachte vor wenigen Tagen in der ersten Seite eine ARD-Werbung von einer neuen Sendereihe über "lauter tolle Frauen" und einen Film mit dem dümmlich-aparten Titel "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann". Nach dem menschenverachtenden Kommentar des hier gemeinten Blattes handelt es sich in dem Film um eine "lustig lachende Witwe, die ihre Nervensäge von Ehemann über den Jordan befördert hat. Und tschüs!"

In diesen makabren Einblicken in gegenwärtige Medien-Präsenz sehe ich die Zuspitzung einer Welle von in den letzten Jahrzehnten immer krasser, aggressiver und verantwortungsloser gewordener Männerfeindlichkeit, die sich nur noch mühsam und heuchlerisch des Bezugs zu jener gesellschaftlichen Strömung bedient, welche einst verständliche und relevante Frauenrechte durchzusetzen trachtete...

Ich beschrieb im Folgenden mit kurzen Sätzen die Entwicklungen radikalfeministischer Einflüsse im gesellschaftlichen Geschehen etwa in der Art, wie diese in der Einleitung zu dieser Webseite dargelegt wurden. Und schrieb weiter:

Um diesem Kulturdefekt zu begegnen, habe ich eine Studie über "Femosexismus und Männerfeindlichkeit in den Medien" begonnen, die ich nach Abschluß zu veröffentlichen gedenke. Da ich zu dieser Studie nunmehr auch die Stellungnahme des Ersten Deutschen Fernsehens mit einbeziehen muß, wäre ich den Initiatoren/Initiatorinnen der hier erwähnten Sendereihe für die Beantwortung folgender Fragen sehr verbunden:

Diese Fragen waren als eine Maßnahme gedacht, die Möglichkeiten eines zu leichten Ausweichens für den Sender auszuschalten. Sie lauteten:

- Würden Sie es für frauenfreundlich erachten, wenn eine Sendung oder Sendereihe das gleiche Thema in umgekehrter Intention anginge (wenn etwa "lauter tolle Männer" mit Frauen aus ähnlicher Motivation heraus so umgingen, wie in dieser Sendereihe Frauen mit Männern?)

- Könnten Sie menschlich-weibliche Vorzüge benennen?

- Könnten Sie menschlich-männliche Vorzüge benennen?

- Hat es in der Vergangenheit schon mal Sendungen/Sendereihen bei der ARD gegeben, die eine als gelungen verstandene Weiblichkeit (tolle Frauen) hervorheben sollten, oder sind weitere in Zukunft geplant?

- Hat es in der Vergangenheit Sendungen/Sendereihen bei der ARD gegeben, die eine als gelungen verstandene Männlichkeit hervorheben sollten, oder sind welche in Zukunft geplant? Falls nicht, warum nicht?

- Denken Sie, daß beide Geschlechter ein gleiches Bedürfnis nach Würde besitzen und ein gleiches Recht auf Würde und Würdigung, wie auch positive Darstellung in den Medien, beanspruchen sollten?

Für die Beantwortung dieser Fragen danke ich Ihnen im voraus.


Die Anstalt antwortet
(16. 04. 1999)

Hier die nahezu ganze Antwort der ARD-Zuschauerredaktion mit parallelen Kommentaren und Anmerkungen:

.........,

vielen Dank für Ihren Brief und Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen.

Ihre Vermutungen sind wirklich unbegründet, denn in keiner Weise hatten wir die Absicht die Männerwelt zu diskriminieren.

?

Grundlage des Films ist der Roman "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann"..., eine heitere, unterhaltsame Geschichte, zum Schmunzeln. Gerne schicke ich Ihnen den Pressetext zu unserer Reihe "Lauter tolle Frauen", zu der dieser Film gehört, so daß Sie der Intention dieser Reihe doch noch etwas abgewinnen können:

Der Pressetext wurde mir nicht nur zugeschickt, sondern noch dazu - etwa nach dem Prinzip 'doppelt hält besser' - im Schreiben der ARD-Zuschauerredaktion angeführt. Der Pressetext:

Romane von Frauen für Frauen sind allgegenwärtig. Millionenfach werden diese Bücher gelesen, auch von Männern. Kleine Fluchten von dem alltäglichen Streß mit Kindern und Küche, Büro und Boß bietet der Griff zu diesen heiter-unterhaltsamen Geschichten. Im Mittelpunkt dieser Geschichten stehen Frauen, die ganz gut mit dem Leben zurechtkommen, denen eigentlich nur ein Quentchen Glück fehlt.

Und ich, Spaßverderber, will den armen Wesen das bißchen Moorhuhnjagdttreiben mit Männern auch noch mißgönnen! Weiter werden wir über das Technisch-Administrative aufgeklärt, so ganz als wären mit dem obigen Kommentar alle Bedenken auf das Inhaltliche restlos geklärt:

In Zusammenarbeit von Degeto Film GmbH und Regina Ziegler Filmproduktion entstanden unter dem Serientitel "Lauter tolle Frauen" sechs Fernsehfilme um sechs wundervolle Frauen...

Eine von ihnen befördert halt nur ihre Nervensäge von Ehemann und ein paar andere Herren, die ihrem Glück im Wege stehen, über den Jordan. Aber warum sollte sie deswegen weniger "wundervoll" sein?

Grundlage für die Filme waren die Erfolgsromane "Männer sind wie Schokolade"..., "Männer und andere Katastrophen"..., "Männer aus zweiter Hand"... und der Roman "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann"...

Frage an den Leser: Was haben nun all diese Titel gemeinsam?

"Lauter tolle Frauen", die gab es schon immer, im Leben, in Büchern und natürlich auch im Film.

Als hätte ich die Existenz toller Frauen bezweifelt und nicht die Niedertracht der zynischen Männermorde angeprangert.

Doch ihr Bild hat sich gewandelt.(Achtung:)Herrschten früher die "vollbusigen Blondinen" oder die "patenten Muttchen" vor, so tummeln sich jetzt in den Büchern und auf den Bildschirmen Frauen, die keineswegs nur als Anhängsel ihrer Männer tragende Rollen haben. Heldinnen sind Karriere-Singles, berufstätige Ehefrauen, alleinerziehende Mütter. Gemeinsam ist ihnen: Sie alle wollen Glück und Liebe und Erfolg, aber keinesfalls um jeden Preis.

Sie alle üben den täglichen Balanceakt, den Ansprüchen, die Kinder und der Beruf an sie stellen, gerecht zu werden. Ganz frei von Illusionen, Wunschträumen, schönen Phantasien

Die brave Thekla... männermordend

sind all diese Entwürfe freilich nicht. Hier liegt der Reiz von Roman und Film. Denn natürlich gibt es für unsere Heldinnen ein Happy-End!

Nämlich die Verbrechen werden nicht aufgedeckt!

Sicher werden hier Klischees verwendet und Konflikte können anders gelöst werden.

Oder aber, was man von einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt, die ihrer Verantwortung bewußt ist, erwarten dürfte: Die Lösung der Konflikte mit mehrfachem Mord nicht als Tat toller Menschen, die nach ihren Verbrechen ein Happy-End verdienen, darzustellen.

Es gibt genügend Fernsehspiele, die einen anspruchsvolleren Weg suchen, doch hat auch diese Art der Unterhaltung ihren Platz im Programm.

Dann aber müßte auch die Art der Unterhaltung, in welcher sympathische Frauenmörder zum Zuge kommen, die nur ihr "Quentchen Glück" vor herrschsüchtigen, lästigen, weiblichen "Ekelpaketen" durch ihre Taten erretten, auch "ihren Platz im Programm" haben, nicht wahr?

Kommentar

Da ich die ARD nicht deswegen anschrieb, weil ich glaubte, daß sie sich dem Thema stellen werde, sondern eher, um die vorliegende Dokumentation - nennen wir sie eine Dokumentation des Verdrängens und Tabuisierens - zusammenzustellen, war die vorangegangene Antwort für den Initiator diese Korrespondenz auch nicht sonderlich enttäuschend.

Der Sender zeigt sich in seinem Schreiben entschlossen, hartnäckig alle Aspekte zu ignorieren, aus welchen heraus die im ersten Brief geäußerten Kritik-Gründe ersichtlich werden. Diese Ablenkungstaktik besteht zum einen darin, daß jeder Vergleich der Geschlechterbehandlung im "unterhaltsamen" Treiben der ARD strikt vermieden wird und zum anderen darin, daß gerade das Objekt der Kritik, die Handlung also in den kritisierten Filmen (Männermord als Tat toller Frauen), außer acht gelassen wird, und statt dessen etwas über die Situation und Befindlichkeit von Frauen im allgemeinen aufgetischt wird, was nicht auch nur im geringsten die gestellten Fragen berührt. Die ARD-Zuschauerredaktion tut hier wie derjenige, der seinen Blick gen Himmel wendet und ein Lied zu pfeifen beginnt, um in einer prekären Situation seine Beteiligung zu leugnen.

Solch offensichtliche Verdrängung soll aber in einer demokratischen Gesellschaft nicht währen. Ich entschloß mich zu insistieren. Zu insistieren bis zur deutlichen Stellungnahme des Senders, oder bis zum unverblümten Abbruch des Gesprächs.

 

Der zweite Brief (18. 04. 99)

.........,

mein Interesse gilt weniger dem Ersten Deutschen Fernsehen, als vielmehr dem Geist und der Kultur unserer Gegenwart. Das Erste Deutsche Fernsehen könnte - wie alle öffentlichen Medien - auf diese positiv oder negativ wirken.

Gütig Ihr Versuch, mich von meinen "Vermutungen" zu erlösen, weil es aber leider sehr konkrete Fakten in meinem Schreiben sind, was Sie "Vermutungen" nennen, muß hier Ihre menschenfreundliche Absicht versagen. Zudem kommt die von mir angegangene Problematik mit keinem Begriff von Ihrer Seite zum Vorschein. Meine verdeutlichenden Fragen bleiben unberührt.

Daß das Frauenbild der "vollbusigen Blondine" oder des "patenten Muttchens" es ist, welches über den Weg des Männermords seine Wandlung zu jenem "Happy-End"- verheißenden Bild einer "Glück und Liebe" suchenden "berufstätigen Ehefrau" oder "alleinerziehenden Mutter" erfährt, läßt wohl einiges offen.

Ich hoffe, es wird Sie nicht überfordern, wenn Sie versuchen zu verstehen, daß Männermord als 'heiter-unterhaltsame Geschichte über Frauen, die ganz gut mit dem Leben zurechtkommen', wenig Erquickliches für denkende Männer, wie auch für gesund empfindende Frauen bietet...

In kurzen Sätzen beschrieb ich weiter die Entwicklungen innerhalb des feministischen Wesens, welche zur Entstehung des Frauenkrimis führten, wo oft durch "geradezu abscheulich-genießerische Rachsucht" gegen das andere Geschlecht "die Grenze zum Perversen erreicht" wird.

Anders als im herkömmlichen Kriminalroman wird hier Verbrechen nicht als ein zu bekämpfendes, sondern als ein zu bejahendes Element dargestellt, wobei die Rechtfertigunsformel in all diesen geistlosen Schöpfungen sich ausschließlich aus dem sexistisch-diskriminierenden Motto: (Gute) Frau tötet (bösen) Mann herleitet.

Und schrieb weiter:

Eine Stellungnahme darüber erhoffte ich vom Ersten Deutschen Fernsehen. Statt dessen Ihr abmildernd-nivellierendes... fadenscheiniges Gewäsch über 'tolle Frauen die es schon immer gab' (wie beglückend), Männer aber auch, ebenfalls tolle! Und so kommen wir wieder zu meinem ersten Schreiben an die ARD. Beachten Sie bitte seinen Aufbau:

Zuerst deute ich auf eine üble Strömung der letzten Jahre hin, die ich nicht 'vermuten' muß, sondern belegen kann. Danach versuche ich anhand verdeutlichender und für meine Studie über Femosexismus in Medien relevanter Fragen zu ergründen, ob die ARD als öffentlich-rechtliches Medium solche Entwicklungen wahrnimmt und wie sie darauf reagiert. Ihre Werbung für das, was ich gerade kritisiere, ist dabei nicht von Belang. Ich gehe zunächst davon aus, daß ich das Recht auf die Beantwortung dieser Fragen habe. Falls Ihre Fernsehanstalt mir diese jedoch verweigert, bitte formulieren Sie es entsprechend.

Ich grüße Sie höflich.

Nachstehend wiederholte ich meine Fragen vom ersten Schreiben.


Die zweite Reaktion (04. 05. 99)

.........,

haben Sie dank für Ihre Rückantwort vom 18. 04. 99... Es tut mir leid, daß ich Ihnen nun doch erst heute antworten kann, denn derzeit gibt es eine Flut von Anfragen.

Zunächst empfehle ich Ihnen, sich an die Media Perspektiven zu wenden, die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der ARD-Werbegesellschaften herausgegeben wird. Sie erhalten dort Studien zu den verschiedensten Themen. Sicher gibt es bereits Untersuchungen über die Frauenrolle bzw. Männerrolle im Fernsehen, ebenfalls bei der Nutzung. Am besten erkundigen Sie sich:

Es folgten Adresse und Faxnummer.

Bitte vergessen Sie nicht Ihre komplette Adresse mit Angaben zu Unternehmen und Funktion. Die Zusendung erfolgt nur, solange der Vorrat reicht.

Material zum Thema Fernsehen finden Sie in einer Vielzahl verschiedener Fachpublikationen (epd, Media-Perspektiven, Funk-Korrespondenz), die in Universitätsbibliotheken einsehbar sind. Ich kann mir vorstellen, daß Sie entsprechende Studien hier finden.

Ich habe Ihnen gerne ein Beispiel aus dem Internet beigelegt.

Nun zu Ihren Fragen:

1. Nein

2. Intuition

3. Logik

4. Die Hausmeisterin

5. Wilde Herzen - diese Reihe wird auch fortgesetzt

6. Ja

Ich hoffe, daß Sie Ihre Studienarbeit erfolgreich bearbeiten und wünsche weiterhin recht viel Spaß beim Zuschauen!

Mit freundlichen Grüßen

Kommentar

Ich hatte jetzt viel Papier von der ARD bekommen: Prospekte über die 'Media-Perspektiven', eine Einrichtung, die sich - wie aus diesen Prospekten hervorging - mit "Fernsehgewohnheiten und Programmbewertungen" befaßt und die mir nicht das Geringste über Gedanken und Motive der für die männerfeindlichen Auswüchse des ARD-Programms direkt Verantwortlichen vermittelte. Und ich bekam noch einen Ausdruck aus der Internetseite der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, mit Studien zur weiblichen Rhetorik inklusive zwei Seiten Bibliographie zum Thema. Was das um alles in der Welt mit dem akuten Thema zu tun haben sollte, war mir nicht im geringsten klar, aber genauso wenig von Bedeutung.

Die mit den Zahlen 1 bis 6 versehenen Begriffe am Schluß des Schreibens sollten die Antworten auf meine schon in meinem ersten Schreiben an die ARD gerichteten Fragen sein. Zum Einschätzen der Aussagekraft dieser Antworten stelle ich hier die Fragen erneut dem Leser zur Verfügung:

1. Würden Sie es für frauenfreundlich erachten, wenn eine Sendung oder Sendereihe das gleiche Thema in umgekehrter Intention anginge (wenn etwa 'lauter tolle Männer' mit Frauen aus ähnlicher Motivation heraus so umgingen, wie in dieser Sendereihe Frauen mit Männern?)

2. Könnten Sie menschlich-weibliche Vorzüge benennen?

3. Könnten Sie menschlich-männliche Vorzüge benennen?

4. Hat es in der Vergangenheit schon mal Sendungen/Sendereihen bei der ARD gegeben, die eine als gelungen verstandene Weiblichkeit (tolle Frauen) hervorheben sollten, oder sind weitere in Zukunft geplant?

5. Hat es in der Vergangenheit Sendungen/Sendereihen bei der ARD gegeben, die eine als gelungen verstandene Männlichkeit hervorheben sollten, oder sind welche in Zukunft geplant? Falls nicht, warum nicht?

6. Denken Sie, daß beide Geschlechter ein gleiches Bedürfnis nach Würde besitzen und ein gleiches Recht auf Würde und Würdigung, wie auch positive Darstellung in den Medien, beanspruchen sollten?

Die Einsilbigkeit der ARD-Antworten macht klar, daß die gestellten Fragen kein Thema für die Fernsehanstalt werden sollten. Immerhin konnten die Fragen 1 und 6 nur so beantwortet werden, daß die von mir angeprangerte Diskriminierung des Mannes im "heiter-unterhaltenden" Geschäft des Ersten Deutschen Fernsehens deutlich zum Augenschein kam. Wieweit die Reihe "Wilde Herzen" "eine als gelungen verstandene Männlichkeit hervorhebt", ist mir nicht bekannt; ich kann mir aber nicht vorstellen, daß in dieser Frauen morbidem Hohn ausgesetzt werden.

Mit der Media-Perspektiven befaßte ich mich nicht. Vielmehr bemühte ich mich, den verantwortlichen Programmdirektor zu ermitteln. An ihn schickte ich mit Datum vom 20. Mai 1999 das gleiche erste Schreiben an die ARD-Zuschauerredaktion zusätzlich mit dem folgenden Begleitschreiben:


Der dritte Brief

.........,

der "Frauenkrimi" ist eine neuere Literaturform, die sich vorwiegend durch zwei Merkmale kennzeichnet:

Das erste ist ein verblüffend-leichtfertiges Bekenntnis zum Mord. Anders als in bisherigen Krimis wird hier das schwerste Verbrechen nicht verfolgt, sondern wird bejaht und als Zeichen menschlicher Stärke hingestellt. Dabei sind die Gründe des Mordens nicht ausschlaggebend. Es können bloße Unzufriedenheit oder ernstere Gründe sein. Die einzige Rechtfertigung für das Töten - das ist das zweite Merkmal des Genres - liegt allein in der Erfüllung des Prinzips: Frau tötet Mann, also ein noch niemals in solcher Radikalität dagewesener Sexismus.

Dem interessierten Beobachter von Zeitgeiststrukturen begegnet im Frauenkrimi sicherlich diejenige Pervertierung des Feminismus, welche den Elementen zu verdanken ist, die einst als belebende Kräfte in der Bewegung akzeptiert wurden, um diese dann zur Politisierung eigener misanthroper... Empfindungen zu vereinnahmen...

In dem vor einiger Zeit bei der ARD präsentierten Titel: "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann", treten beide weiter oben genannten Merkmale zum Vorschein. Das ausschließliche "Nur" am Satzanfang läßt keine Zweifel über die totalitäre Dreistheit der hier dargelegten Geisteshaltung zu. In dem ARD-Einfall, derartige Hinrichtung als Tat "toller Frauen" zu bezeichnen, sehe ich einen unverfrorenen Zynismus gegenüber dem männlichen Geschlecht in einer ethisch skandalösen Kombination. Sie, Herr Dr. Struve, sind bestimmt in der Lage einzuschätzen, welche Auswirkungen in einer jeden Redaktion eine ähnliche Formulierung über eine andere Bevölkerungsgruppe, wie etwa: "Nur eine verprügelte Frau, ist eine gute Frau" hätte.

Angesichts des Umstandes, daß es sich dabei um Auswüchse einer - nicht nur von mir - wahrgenommenen Tendenz handelt, die sehr gefährlich das Kulturleben, vorerst des Westens, angreift und deren Ursprüngen ich aus begreifender Verantwortung heraus etwas detaillierter nachzuspüren trachte, schickte ich der ARD im vergangenen Monat das Ihnen jetzt beigefügte Schreiben zu. Leider hat es etwas länger gedauert, bis es an Sie, den eigentlich verantwortlichen Programmdirektor, gelangte.

Weltweit sterben jährlich Tausende von Männern bei ihrer gewöhnlichen Betätigung in 'typischen Männerberufen' wie Bergbau etc. Vorwiegend, aber nicht nur in ärmeren Ländern.

Die traurigen Ereignisse im Europa der Gegenwart bewirken das unfreiwillige Einsetzen junger Männer für sehr ungewisse, lebensgefährdende Aufgaben um den Schutz ethisch-relevanter Rechte. Eltern dieser Soldaten zeigen sich in liebender Besorgnis. Finden Sie, daß sie alle geschmacklosen Hohn verdienen?

Unter den Fernsehsendern ist meines Wissens neuerdings eine zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern entbrannte Diskussion zur Haltung gegenüber Gewalt im Gange.

Von Ihnen erhoffe ich jetzt zu erfahren, mit welchem Denken es dem Programmdirektor einer Medienanstalt gelingt, die hier angesprochene "Unterhaltung" zu rechtfertigen...


Die dritte Reaktion (25. 05. 99)

Man wurde etwas gesprächiger. Das nächste Schreiben der Anstalt enthielt drei Aussagen. Hier der Inhalt:

.........,

vielen Dank für Ihren Brief vom 20. Mai und für Ihr Interesse am Ersten Deutschen Fernsehen. Sie haben in Ihrem Schreiben den Titel des Films Nur ein toter Mann ist ein guter Mann der Reihe Lauter tolle Frauen kritisiert.

Der Titel Nur ein toter Mann ist ein guter Mann ist keine Erfindung der ARD. Es ist der Titel eines sehr erfolgreichen Romans der Autorin Gaby Hauptmann, der wie fünf andere Romane für die ARD-Reihe Lauter tolle Frauen verfilmt wurde.

Doch ich kritisierte keineswegs nur den Titel, sondern selbstverständlich auch den Inhalt der "heiter-unterhaltenden" Männermorde. Ja sogar das ganze Genre des Frauenkrimis, das ich als Ausdruck von Dekadenz deutete. Auch ist der Versuch der Anstalt, sich vom Titel des Films zu distanzieren, deswegen heuchlerisch, weil dieser Titel gerade durch "den ARD-Einfall", ihn in eine Reihe über "tolle Frauen" einzubringen, den Zusammenhang bekommt, in welchem seine sexistische Intention und seine verachtende Ironie erst recht zum unmißverständlichen Ausdruck gelangen! (Man stelle sich vor, wie unterschiedlich der Titel "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann" in einer Serie gewirkt hätte, die beispielsweise "Lauter fatale Frauen" heißen würde. Aber das wäre sicher für fromme Feministen bereits unerträglich frauenfeindlich, während sie den Satz "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann" nicht als männerfeindlich realisieren zu können vorgeben. Und genau um die Fragen zu dieser Ungleichbehandlung geht es hier im Grunde.) Zudem hat eine öffentlich-rechtliche Medienanstalt durchaus den Auftrag, ihre Titel zu selektieren.

Der zweite Teil des Schreibens präsentiert sich dann ganz in der simplen Rechtfertigungsfloskel des "Es war doch nur Spaß".

Der Titel ist ironisch gemeint. Ich bitte Sie freundlich, die Reihe Lauter tolle Frauen (auch den Titel der Reihe!) mit ein wenig nachsichtigem Augenzwinkern zu betrachten. Nähere Informationen zu dieser heiter-unterhaltenden Filmreihe finden Sie im Material, daß ich diesem Schreiben beigelegt habe.

(Nochmals die gleichen Prospekte!)

So? Ironisch? Und was ist mit den "wundervollen Frauen" im Pressetext, die wir in den Filmen dieser Fernsehserie erkennen sollen? Dies war doch kein bißchen ironisch gemeint. Oder verschaukelt hier die ARD das weibliche Geschlecht? Doch selbst wenn alles im Film und Pressetext ironische wäre: Hebt Ironie Sexismus oder Rassismus auf? Ist brutale, sarkastische Ironie vom Hohn zu unterscheiden? Deutet Ironie, gerade wo sie massiv auftaucht wie in den Titeln dieser Filme und der Filmreihe selbst, nicht auf Verachtung, Haß, Aggression? Nochmals: Würde die ARD jemals einen Film dem Publikum zumuten, der "Nur eine vergewaltigte Frau ist eine gute Frau" - innerhalb einer Filmreihe über "lauter tolle Männer" - hieße, wenn dies ironisch gemeint wäre?

Keine bequemen Fragen. Ist es dies, warum im folgenden der Fragesteller eine kleine moralische Niederlage erleiden soll?

Der Großteil der Zuschauerinnen und Zuschauer hat den ironischen Charakter dieses Films und der Reihe sehr wohl verstanden,

schließt der Sender, denn:

Eine ähnlich lautende Kritik wie Ihre hat uns bislang nicht erreicht.

Ich gestehe, daß der letzte Satz mich etwas berührte. Und das, obwohl es mir klar gewesen ist, daß meine Aktion ein Alleingang war. Gibt aber diese Feststellung das Recht, die Inhalte, um die es hier geht, zu ignorieren? Ich meinte, nein. So sollte noch ein (letzter?) Brief an der Anstalt höchsten Boß, den ARD-Direktor Prof. Voß, ergehen.


Der vierte Brief
(31. 05. 99)

.........,

"nur ein toter Ausländer ist ein guter Ausländer".

Nein, bitte nicht erschrecken! Ich behaupte das Obige nicht wirklich. Es wäre rassistisch, nicht wahr? Und es ist anzunehmen, daß die ARD einen Film in ihrem Programm ablehnen würde, in dem Staatsbürger eines Landes dadurch glücklicher werden, daß sie Ausländer töten.

Einen solchen Film würde die ARD sicher auch dann ablehnen, wenn die zu den Hinrichtungen führenden Ereignisse von lustigen Einfällen begleitet würden. Und auch dann, wenn die gemeinten Ausländer allesamt mit schlechten Eigenschaften erdichtet wären, dagegen die Inländer mit guten; denn das wäre nichts weiter als tendenziöse Verleumdung, mit dem Ziel, den Rassismus, der in einem solchen Titel stecken würde, zu rechtfertigen. Der Rassismus wäre darin auszumachen, daß nur Ausländer die schlechten, nur Inländer die guten Eigenschaften trügen, wobei das Morden den guten Taten zugerechnet werden müßte. Das aber nennen wir noch dazu "pervers"!

Sehr geehrter Herr Professor Voß, ich versuche seit mehreren Wochen, ARD-Mitarbeitern klar zu machen, daß, was innerhalb der Völkerbeziehungen "Rassismus" heißt, innerhalb der Geschlechterbeziehung "Sexismus" genannt wird...

Anlaß zu meinem Schreiben war eine neue ARD-Sendereihe des Titels "Lauter tolle Frauen" mit Filmen wie "Männer und andere Katastrophen", oder "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann". In diesen Erfolgsblähungen femosexistischer Geistlosigkeit werden - ganz nach dem oben aufgezeigten rassistischen Vorbild - Männer als naive, daneben geratene Phantasten, psychisch unterentwickelte "Ekelpakete", oder böse, ihren Konkurenz-Gefühlen hingegebene Macher; Frauen als "stille, geduldige" Wesen, die, sind sie einmal der Unterdrückung durch die ersten Spezies entkommen, solidarisch in übermenschlicher Stärke und Güte erstrahlen, den Männern dann in jeder Beziehung zeigen, was Leben ist, wenn sie es ihnen nicht gerechterweise nehmen, dargestellt. Eine solche Hinrichtung wird dann im deutschen Schmierblatt mit dem menschenverachtenden Kommentar gefeiert: "Die brave Thekla... männermordend... befördert ihre Nervensäge von Ehemann über den Jordan. Und tschüs!" (Bild 27.03.99.)

Als Antwort erhielt ich von der ARD nichts weiter als Werbeprospekte über das, was ich kritisierte, mit der Information, daß es 'tolle Frauen schon immer gab, ihr Bild habe sich aber nun gewandelt; nicht mehr vollbusige Blondinen wollen sie sein und nicht gute Muttchen...' sondern - wenn ich das alles richtig verstehe - eben glückliche, unbestrafte Männermörderinnen. Man tat, als wollte ich die Frauen wieder in die Küche schicken, nur weil ich das Preisen von Männermord als selbstverständlichen Bestandteil ihrer sog. "Befreiung" ablehnte. Kein Eingehen auf die von mir in redlicher Sprache angesprochene Problematik, keine Berücksichtigung meiner gezielten Fragen, keine Antwort. Und das, obwohl ich zeigte, daß Medienpräsenz in mindestens einem reellen Mordfall dieser Art in diesem Land nachzuweisen ist.

Um damit nicht endgültig abgespeist zu sein, wandte ich mich beim zweiten Anlauf direkt an den verantwortlichen Programmdirektor Herrn Dr.Struve. Diesmal beschrieb ich etwas detaillierter Wesen und Herkunft des Frauenkrimis und machte auf seine miasmatischen Tendenzen aufmerksam. Ich bekam exakt die gleichen Prospekte! Frau Sabine Knott konfrontierte mich dazu noch mit der Feststellung, daß ich der einzige Zuschauer sei, der die ARD mit einer solchen Kritik erreichte, und beruhigte mich mit dem Hinweis, daß der Greuel auf einer ironischen Basis geschieht, und ich ihn mit "ein wenig nachsichtigem Augenzwinkern zu betrachten" hätte.

Frau Knott rate ich, das "nachsichtige Augenzwinkern" den vielen Frauenverbänden und Organisationen zu empfehlen, die sich dann melden werden, wenn die ARD in einer Sendereihe über 'lauter tolle Männer' weibliche 'Ekelpakete' und 'Nervensägen' in "heiter-unterhaltenden" Sequenzen morden lassen wird. Nur denke ich, daß der Programmdirektor, der das verantwortet hätte, geflogen wäre, bevor Frau Knott ihre netten Vorschläge hätte unterbreiten können.

Herr Professor Voß, ich habe gewiß nichts dagegen, wenn ARD-Programmdirektoren oder andere zu grunzen beginnen, wo eine Sendung des Privatfernsehens "Alle Männer sind Schweine" heißt. Ich halte aber meine Reaktion für wesentlich menschlicher und relevanter...

Ich bin jetzt bei Ihnen an der höchsten ARD-Instanz gelangt. Zur Verantwortung jedoch gehört auch das Beantwortenkönnen von relevanten Fragen, wie:

A. Wie gedenken die ARD und ihr Erstes den Symptomen gegenzusteuern, die ich in meinem Schreiben vom 10. 04. aufzeige?

B. Wie kommt es zu den einseitig-sexistischen Darstellungen der Geschlechter in Ihren Titeln und Inhalten?

C. Plant die ARD Positiv-Männliches genau so explizit (titel- und inhaltmässig) in einer Serie zu behandeln? (Es müssen Frauen nicht gekillt werden...) Falls nicht, warum nicht?

Bitte keine Werbeprospekte, keine Internet-Kopien. Wenn ich schon die ARD einzigartig anspreche wie Frau Knott meint, dann bitte antworten Sie auch explizit.


Der Schluß

Mein Gang hatte mich an die Mauer geführt. Ans Ende der Antworten. Ich wurde um 'Verständnis dafür gebeten, daß sich der Intendant und Vorsitzende im Blick auf seine vielfältigen Aufgaben nicht unmittelbar mit meiner Kritik auseinandersetzen könne, er gehe aber davon aus, daß ich vom Programmdirektor Dr. Struve eine abschließende Antwort erhalten' werde. Sie kam dann auch wenig später (23. 06. 99) von seiner Referentin Frau Sabine Knott und hieß:

.........,

Meine Kollegin Florence Kluge

(die Dame von der Zuschauerredaktion)

und ich haben Ihnen bereits erschöpfend Auskunft zu den von Ihnen gestellten Fragen gegeben. Wir sind ausführlich auf Ihre Kritik am Ersten Deutschen Fernsehen eingegangen. Ich halte es nicht für notwendig, die Argumente, die ich Ihnen mit Schreiben vom 25. Mai bereits vorgetragen habe, noch einmal zu erläutern.

Wir bitten Sie um Verständnis...

Ich antwortete:

.........,

ich möchte Ihnen für Ihr abschließendes Schreiben vom 23. 06. 99 danken. Ich finde es interessant, daß Sie in Ihren Prospekten eine "Argumentation" zu meiner Thematik sehen. Leider bleibt mir jede Andeutung einer solchen darin hartnäckig verborgen.

Dennoch: Durch Ihre Bereitschaft und die der sympathischen Frau Kluge ist eine ernste und zugleich heitere Dokumentation über die Gedankenfülle, mit der die ARD ihre Unterhaltungskonzeption vornimmt, entstanden.

Dafür möchte ich beiden Damen sehr danken.

Mir scheint es nun tatsächlich bei der ARD "lauter tolle Frauen" zu geben. Es bleibt zu hoffen, daß bei derselben deswegen nicht alle Herren 'tote Männer' sind.

Alles Gute.

Noch Fragen? Falls, richten Sie bitte diese an die ARD-Zuschauerredaktion.

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