Korrespondenz mit der ARD
W
elche Reaktion würde es wohl in diesem Land nach sich ziehen, wenn eine öffentlich-rechtliche oder auch eine private Fernsehanstalt sich so besonders männerfreundlich zeigen würde, wie dies in einer Filmreihe zum Ausdruck käme, deren Titel Lauter tolle Männer lautete, und in welcher Filme wie Frauen und andere Hindernisse, Frauen aus zweiter Hand, Frauen sind wie Zuckerbonbons oder Nur eine verprügelte Frau ist eine gute Frau gezeigt würden? Filme, in welchen die "Helden" allesamt als "wundervolle Männer" auftraten, die "alle Glück, Liebe und Erfolg wollen, aber keinesfalls um jeden Preis", weswegen sie ihr Ziel nur dadurch erreichen, daß sie ihre jeweiligen Lebensgefährtinnen, lauter "Nervensägen" und "Ekelpakete", die zudem den Fehler begehen, "die Solidarität der Männer" zu "unterschätzen", reihenweise in das Jenseits befördern, um schließlich zum "Happy-End" ihrer "heiterunterhaltsamen Geschichten" zu gelangen?
Gewiß, diese Frage kann nur rhetorisch verstanden werden. So etwas wäre unmöglich! Denn allein mit sauren Gurken hätte Vergleichbares nicht mehr prämiert werden können. Die Annahme ist sogar so abwegig, daß es sich nicht einmal lohnt, sich Gedanken darüber zu machen, was in einem solchen Fall passiert wäre. Gewalt gegen Frauen? Als Tat 'toller Männer'? Von einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt? Ja, steht denn am nächsten Tag diese Republik noch?
"Lauter tolle Frauen" stand einmal vor mir auf Kniehöhe zu lesen, als ich an einem Samstagmorgen (27. März 1999) am Zeitungsstand mit den aushängenden Boulevardblättern auf einer Einkaufsstraße der Innenstadt vorbeikam. Und daneben: "Starke Filme mit Starken Frauen". Es folgte weiter unten das Gesicht einer schwarzgekleideten Dame in Friedhofslandschaft, das unter einem schwarzen Hütchen, welches die kesse Form der Mephistopheles-Frisur in der klassischen Verfilmung aufwies, die verschmitzten Züge eines verborgenen Lächelns trug. Und wo noch etwas weiter unten sich die Schrift vergrößerte, wie immer dort, wo der eigentliche Gegenstand der Werbung steht, war zu vernehmen: "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann - Heute um 20 Uhr 15. ARD Das Erste".
Huch! Dieser Titel war deutlich! Deutlich das Letzte. Weil deutlich dumm, deutlich diskriminierend und deutlich böse. Ich tat also das Unangenehme: Ich kaufte mir die Bildzeitung!
Da hatte ich auch auf den Innenseiten gleich alles: Frau, Mann, Blut, Mord, die Hauptszene im Bild. Und der Text: "Die brave Thekla... männermordend". Warum bloß? "Fühlt sich von den Herren der Schöpfung im Glück gestört". Ach so?! "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann. Die das so klar erkannt hat, ist TV-Star Thekla.... Für die ARD-Sendereihe "Lauter tolle Frauen" präsentiert sie sich als lustig lachende Witwe, die ihre Nervensäge von Ehemann über den Jordan befördert hat. Und tschüs!"
So viel Sarkasmus? Und Selbstjustiz mit Mord bloß mit der Begründung "Nervensäge"? Und die Mörderin "tolle Frau"? "Aber nur im Film" hieß es weiter. - Gott sei Dank! Es ist also nur Spaß. Und wir sollen diesen Spaß gewiß verstehen, nicht wahr?
Zum Verstehen beitragen will diese Webseite allerdings. Versuchen wir's also. Schauen wir, woraus dieser Spaß besteht: Da sind die Geschlechter - Mann und Frau -, da ist Gewalt und Mord, Verherrlichung der Gewalt als Tat toller Frauen und ein leicht abgewandelter Standardspruch aus dem Rassisten-Repertoire, der alle Männer zum Abschuß frei gibt. Und da ist das Fernsehen. Das sorgt dafür, daß "um 20 Uhr 15", zur Zeit also, da die gesamte Familie (wo noch vorhanden) und die vielen "Alleinerziehenden" dieser "vaterlosen Gesellschaft" mit ihren Sprößlingen vor der Glotze hocken, sie sich mit den eben genannten Inhalten "dieser heiter-unterhaltenden Filmreihe" (Zitat ARD) unterhalten lassen können. Schön!
Zu alledem gesellt sich noch ein weiteres Merkmal. Die bereits ausgesprochene Feststellung nämlich, daß der morbid-sexistische Haß, der sich hier der primitiven Witzelei bedient, in der "Kultur" der Gegenwart niemals reziprok ist, sondern nur einem der Geschlechter gegenüber angewandt wird, dem männlichen.
War da noch was? Ja.


