DUDEN und die Jungs
Der Hintergrund
D
ie folgende Mail ging am 20. Jan. 2012, anläßlich einer vielsagenden Szene1 auf den Seiten des DUDEN-Verlags als offenes Schreiben an die Verlagsadresse. Erst später wurde die Korrespondenz in die Rubrik "Briefe" aufgenommen.
Das Schreiben
Sehr geehrter Herr Blümer, sehr geehrtes Team...
Ihr Internetangebot 'Lernhilfen/Schule' wird als einziger Ihrer Links im 'Downloadshop' mit einer Personenphotographie eingeleitet. Diese illustriert das Vorhandensein von Wissenslücken bei Schülern humorig, zudem entschieden geschlechtsspezifisch.
Das Humorige besteht darin, daß in der Abbildung der bedürftige Schüler in besorgt-verstohlener, aber zugleich bemüht-unauffälliger Manier nach den Notizen seines Mitschülers zu seiner Rechten schielt und von diesen abschreibt.
Das Geschlechtsspezifische nun wieder ergibt sich zunächst aus dem Umstand, daß der kompetente Schüler, der etwas jovial schmunzelnd das Abschreiben gönnerhaft gestattet, das artige, fleißige und duldsame Mädchen im Rosakleidchen ist, der Abschreiber dagegen männlich.
Warum ich nun das Ganze darüber hinaus "entschieden geschlechtsspezifisch" genannt habe, ist, weil da noch eine dritte Person vorkommt: ein "Hinterbänkler", ebenfalls männlich, der aus noch weiterer Ferne und mit der damit verbundenen zusätzlichen Mühewaltung, die sich positiv auf dem Konto der situativen Komik niederschlägt, dasselbe wie sein gleichgeschlechtlicher Klassenzimmergenosse unternimmt. Nicht daß die Jungs dabei ein menschlich unvorteilhaftes Bild von sich gäben. Eher doch vermittelten sie wohl manchem einen sympathischeren Eindruck als, im Vergleich, ihre allzu erwachsen wirkende, genießerisch kulante Kameradin.
Was dennoch das Dramaturgische betrifft, wäre die dritte Person im Hintergrund eigentlich gut dafür gewesen, den Verdacht einer geschlechtsspezifischen Zuweisung dadurch abzuschwächen, falls man es hätte wollen, daß sie - zum sich dann anratenden Ausgleich - ebenfalls eine weibliche Person wäre, eine Schülerin als zweiter "Abkloppdepp" der Szene. "Falls man es hätte wollen", wiederhole ich, um zu bekräftigen, daß man es offensichtlich nicht so gewollt hat! Man hat im Gegenteil die Botschaft, Mädchen seien gute Schüler, Jungen schlechte, nicht dick genug für den Betrachter auftragen können.
Nun ist davon auszugehen, daß allen Mitarbeitern Ihrer Einrichtung die historische Verbundenheit Ihres Hauses mit dem Bildungsauftrag dieses Landes geläufig ist. Das Zeichen DUDEN steht seit vielen Generationen als Synonym für richtige, auch wirklichkeitsgerechte Darstellung und Ausdrucksweise. Daraus könnte man schließen, daß der eklatante oder "entschieden geschlechtsspezifisch" illustrierte Unterschied in der Situation Ihrer Abbildung Ihrer Auffassung der gegenwärtigen Lage in deutschen Schulen entspricht.
Davon abgesehen, ob diese Auffassung nun stimmt, oder so nur Inhalt der beschränkten Kolportage einer gewissen Gesinnung ist: Auffällig und davon unabhängig bliebe die etwas rohe Konfrontation, die Sie in Ihrer Darstellung männlichen Schülern mit ihrem vermeintlichen Status zumuten, und die eher eine Ressentiment geladene Genugtuung zum Ausdruck zu bringen vermochte als sozial kompetentes Mitfühlen oder wohlwollendes Ermuntern.
Sehr gern würde ich mich getäuscht haben bei meiner - mir leider einzig möglichen - Interpretation. Doch was sagen Sie, geehrte Mitarbeiter Ihres Bibliographischen Instituts? Was bezweckt das gemeinte Bild auf Ihrer Seite wirklich?
Freundliche Grüße!


