DER MASKULIST
19.05.2003

I

nhaltlich erklären sich das folgende Schreiben an den Verteidigungsminister wie auch die Hintergründe desselben von selbst beim Lesen. Nur etwas zum Vorgang seiner Entstehung sei hier zuvor gesagt: Es sollte nur ein kurzer humoristischer Kommentar einiger Äußerungen des Herrn Struck sein. Dann aber schossen aus allen Richtungen sämtliche Aspekte und Bezüge, die in ihrem Gleichberechtigungskampf meine Tastatur besetzten und sich meiner Finger bedienten. So wurde der Brief etwas länger.

Ich zögerte also einige Tage, ihn zu verschicken, und ließ ihn in der Hoffnung bei mir liegen, ich würde während des 'Abkühlens' den einen oder anderen sekundären Aspekt wieder raus nehmen wollen. Aber zu meinem Schrecken klopften nach ein paar Tagen weitere Gedanken zum Thema an meine Tür. Nichts wie wegschicken! - dachte ich - und vertraute ihn endlich am 17. Mai 2003 der Post an. So blieb er ein etwas längerer Brief. Vielleicht antwortet der Politiker.


Der Brief (Betr.: Geschlechtergelaber)

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neulich waren Sie im Radio zu hören (Ihr Porträt am So., den 4. Mai in B5-Aktuell) und sagten unter anderem: "Soldaten labern nicht. Frauen labern noch weniger als Männer." Ich mußte dabei nicht nur deswegen schmunzeln, weil es mittlerweile allgemein bekannt ist, daß Frauen im Vergleich zu Männern eine doppelte Menge von Wörtern innerhalb eines Tages gebrauchen, was sicher einem Gelaber keine geringeren Chancen einräumt (man denke etwa auch an die Inhalte der von Frauen bevorzugten Magazine etc.) Ich schmunzelte auch deswegen, weil in diesem Satz endlich das obligatorische Tüpfelchen in der Rede eines 'roten' Politikers auftauchte, das nie fehlen darf und auf das ich deswegen gewartet hatte. Gemeint ist die übliche kurze sexistische Wende in zwangsfemineurotische Manier.

Dabei war ihr Kommentar durchaus erträglich und nur leise diskriminierend. Männer kennen aus dem Vokabular rot-grüner Femi-Eiferer und -Eiferinnen schon ganz andere Brocken. Man denke da an die Justizministerin, die glatt meinte, Männer sollten durch die Wehrpflicht verhindert werden, damit Frauen einen Vorsprung erhalten. Und das zu einer Zeit, da die Arbeitslosigkeit männlicher Jugendlicher jene weiblicher aus genau genanntem Grund (Wehrpflicht) bereits immens überschritt! Oder man denke an die Familienministerin, welche, um ihren Aktionsplan ("Gewalt gegen Frauen") incl. dazugehörigem Gesetz durchzusetzen, mit skandalösen Zahlen die Familie als einen Ort der Gewalt vor aller Welt diffamierte und mit biologistischen Thesen (Mädchen hätten für Lernprozesse bessere Gehirne) die Schulmisere der Jungen, die später auch die Pisa-Studie aufzeigte, zu begründen suchte. Die Liste könnte mit weiteren Personen aus diesem Bereich bis zu an Volksverhetzung anmutenden Aufforderungen zum 'Verabscheuen der Männer' (wie hieß gleich die grüne Menschenfreundin?), weitergeführt werden!

Nein, sehr verehrter Herr Minister Struck, so intolerant und männerverachtend war Ihre Differenzierung der Geschlechter in punkto 'Labern' nicht! Damit erweisen Sie schon mal mehr soziale Kompetenz als die Damen, denen man tendenziös diese Tugend eher zuschreibt. Und schon beginnen vertraute Weltbilder der letzten dreißig Jahren zu bröckeln!

Dennoch scheint mir Ihre Frauenlobzeile gewisse Relationen über den Haufen zu werfen. Denn wenn Soldaten wirklich nicht labern, Frauen aber noch weniger als nicht labern, dann haben wir zwei Möglichkeiten: a) Frauen labern nicht und noch mal nicht (Verdoppelung der Negation = Position), also Frauen labern doch; oder b) Frauen labern noch weniger, als wenn sie nicht labern würden, also sprechen wohl wenig bis überhaupt nicht. Da aber dies allen Erkenntnissen über Frauen entgegen steht, wäre hier der Frage nachzugehen, ob die Frauen, die Ihnen begegnen, nicht deswegen Stille wahren (wie viele Ehemänner müssen Sie beneiden!), weil sie Bereichen angehören (z. B. bei einer Armee), in welchen ihr Frausein nicht ganz zum Ausdruck kommen könnte.

Auch die Gegenüberstellung von "Soldaten" mit "Frauen" (nicht "Soldatinnen") wirft manches Licht auf bisher nicht wahrgenommene Möglichkeiten auf. Denn: Wenn Männer nur während ihrer Dienstzeit und aus welchen Gründen auch immer dem - ansonsten eher den Frauen vorenthaltenen - Privileg des Nichtlaberns teilhaftig, nach dieser Zeit aber wieder rückfällig würden, wäre zu überlegen, ob man manche Männer, solche etwa, die eine Politikerkarriere beabsichtigen, jemals wieder aus der Kaserne ent- und mit ihrem wiedererlangten Gelaber auf die Welt loslassen sollte! Ferner: Wenn Frauen (nicht nur Soldatinnen) noch weniger labern als gewöhnliche Nichtlaberer, welchem verbalen Verhalten sollten wir dann die hier zu Beginn aufgeführten Damenergüsse (wovon wir noch Berge herbeischaffen könnten), zuordnen?

Nicht daß Sie denken, geehrter Herr Minister Struck, das hier Erwogene sei nur Ergebnis eines philosophistischen Überschwangs, enthalte aber geringen Aufschluß fürs praktische Leben eine Politikers. Oh nein! Denken Sie nur an die Wahlschlappe Ihres Parteigenossen Gabriel vergangenen Winter in Niedersachsen. Es wurde nämlich anschließend ermittelt, das schlechte Wahlergebnis für die SPD resultiere vor allem aus der Abwendung junger Männer des Alters zwischen 18 und 24 Jahren, exakt also der Gruppe der nach Ihrer Erfahrung Nichtlabernden. Ob viele von ihnen jenen Befund, den der Landeschef nur wenige Tage vor den Wahlen bekundete, als sträfliches Gelaber empfanden? Es hieß: "Frauen sind klüger als wir Jungs." Was läge da der diskriminierten Gruppe näher, als sich sonntags darauf doch klüger zu zeigen, als der Politiker vermutet hatte?

Überhaupt, lieber Herr Dr. Struck, scheint sich gegenwärtig eine Denkwende in der Geschlechterdebatte einzuleiten. Immer mehr junge, aber auch ältere Männer erkennen in der Gesetzgebung der letzten Jahrzehnte und auch im allgemeinen Gesellschaftsklima eine Zementierung ihrer Benachteiligung und eine Kälte gegenüber dem Maskulinen überhaupt. Fachleute nannten schon Erziehungseinrichtungen "jungenfeindliche Biotope" und Publikationen renommierter Experten (aus Ihrem, dem militärischen Bereich!) sprechen vom "privilegierten Geschlecht", ohne das unsrige damit zu meinen, wie manche Ewiggestrige noch erwartet hätten! Lebhafte Diskussionen unter Männern, auch mit Frauen, finden statt im Internet, in Vortragssälen, durch Leserbriefe. Befund: Wende!

Es ist sicher anzunehmen, daß Männer künftig verstärkt die Sorge um ihre Lage und um ihr Ansehen in der Gesellschaft in ihrem Wahlverhalten zum Ausdruck bringen werden. Für Spätzünder unter den Parteien würde dies Stimmenverluste ergeben, denn Frauen, abgesehen von den jugendlich aufbegehrenden grünen, bleiben mehrheitlich ohnehin weiter in ihrer Mitte-Rechts-konservativen Region. Man munkelt nämlich, daß sie "Gleichberechtigung" eigentlich fürchten, weil sie dann weniger Rechte hätten. Wie schon gesagt: Herrn Gabriel, der sich im 'Spiegel' demonstrativ von seiner Frau hatte rudern lassen, wurde das Ruder nur Tage später abgenommen! Doch genug.

Warum ich mich schließlich an Sie wende? Das ist, geehrter Herr Minister, weil Sie, dachte ich mir, am besten Ihrer Partei helfen könnten! Warum Sie? Und wobei helfen? Weil Sie ein Amt führen, dessen Belange so unzertrennlich mit Männlichkeit verbunden sind, daß Ihnen am meisten zugestanden hätte, den ersten Schritt zu machen, etwas uneingeschränkt und eindeutig Positives über Männer endlich einmal verlauten zu lassen! Sie, als Chef einer Organisation, die ohne Frauen wohl bestehen könnte und auch bestanden hat, sich ohne Männer aber sofort auflösen müßte, hätten beste Chancen, maskuline Eigenschaften zu erwähnen, die Positives, Konstruktives, Unverzichtbares enthielten.

Denn daß Soldaten zwar wenig labern, selbst da aber nicht ganz so vollkommen wie Frauen sind, ist für einen Soldatenchef recht wenig, ja reichlich halbherzig. Die Frage wäre nun, ob Ihnen diesbezüglich etwas einfällt, wovon Sie die Bereitschaft (sollte man hier von Mut sprechen?) hätten, es zu erwähnen.

Wir wollen also auf Ihre geschlechtsspezifischen Verlautbarungen der Zukunft gespannt sein.

Mit freundlichen Grüßen

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PS.: Etwas unverständlich ist auch Ihre auf den Seiten Ihres Ministeriums stehende Antwort auf die Frage, warum Sie die Wehrpflicht nicht abschaffen. Sie sagen: "weil man nach Umstellung auf eine Berufsarmee nicht mehr unbedingt die Frauen und Männer als Soldaten bekommt, die man sich wünscht" und sprechen weiter von der Gefahr einer "Entfremdung zwischen Armee und Gesellschaft". Wie allerdings die Wehrpflicht auch die Frauenauswahl betrifft, ist in diesem Satz m. E. deswegen wenig ersichtlich, weil ja Frauen von der Wehrpflicht nicht erfaßt werden. Aber sicher denken Sie sich etwas dabei. Könnten Sie das kurz erläutern?

Dieser auf das gegenwärtige politische Verhalten abgestellte Versuch liegt offen unter www.maskulist.de im Internet vor.

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