An Christian Kortmann, Befürworter männerfeindlicher Werbung
Der Hintergrund
C
hristian Kortmann bekundete in der vergangenen Woche auf sueddeutsche.de Gefallen an männerfeindliche Werbung.1 Frauen hätten das Recht, ein Negativprofil des männlichen Wesens anzufertigen, etwa weil Männer "mitunter" den Aufstieg der Frauen bremsten. Außerdem ginge es Männern noch zu gut, um nicht etwas Geschmacklosigkeit und Häme hinnehmen zu wollen. Schließlich schade dies niemandem wirklich. Nun ja...
Was aber Christian Kortmann besser gelassen hätte, ist erstens: Kritik an der Herabwürdigung des Maskulinen in Werbung oder anderswo psychologistisch nach Art der Feministinnen ("Ich glaube, Sie haben ein Problem") zu diskreditieren und zweitens: Sein engagiertes Pamphlet für ein einseitiges Recht der Frauen auf Respektlosigkeit gegenüber Männern mit einem salbungsvollen Satz zu beenden, der so schließt, als hätte sich Kortmann in seinem kläglichen Artikel für Geschlechtergerechtigkeit und gegenseitigen Respekt bemüht.
Denn solche Heuchelei erzeugt bei manchen Lesern wenig Achtung und die Kortmanns in der Branche sollten öfters Gelegenheit bekommen, das zu erfahren, meinte ich uns schickte ihm die folgende E-Mail:
Das Schreiben
Sehr geehrter Herr Kortmann!
Ihr Versuch, die geschlechterpolitische Relevanz öffentlicher Formen des Männerhasses, wie sie etwa in der Werbung vorkommen, zu leugnen, beginnt mit der Herabsetzung der anders darüber Denkenden. Gleich die ersten zwei Absätze Ihres Essays werden verwendet, um dem Leser einzutrichtern, daß es sich bei der Kritik dieser medialen Anzeichen um das in Kastrationsangst begründete persönliche Problem einiger weniger handele. Als bewanderter Antifeminist kann ich natürlich solche Argumentationsmuster mühelos orten und muß sagen: Sie haben Ihre Lektionen gut gelernt – EMMA geht mit dem Instrument der Diffamierung kaum virtuoser um. Daß Sie nun die Banalität und die offensichtliche Unredlichkeit solcher "Argumentation" nicht anwidert, ist eine Frage des Anspruchs, den Sie an sich selbst als Journalist stellen und das bleibt Ihnen auch überlassen.
Was ich Ihnen aber hier nicht überlassen möchte, ist, die Analyse der sekundären Details eines soziokulturellen Sachverhaltes als die Analyse des Gesamtphänomens durchzumogeln. Sehen Sie: Wenn man Ihnen, nachdem Sie einen lebensgefährdenden Giftstoff eingenommen haben, diesen bis zu seinen nicht tödlichen Bestandteilen analysiert und Sie so beruhigen will, Sie aber wissen, daß dieser Stoff als Präparat weiterhin tödlich in Ihnen wirkt, dann erblicken Sie in Ihrem vermeintlichen Tröster entweder einen Zyniker oder einen Idioten.
Ähnlich stellen auch Sie in Ihrem Artikel lediglich die seichte Dramaturgie der umstrittenen Werbespots klar, präsentieren aber diesen Befund als die abschließende Analyse des gesamten Problems. Sie hoffen damit, die dramaturgische Unbedarftheit der einzelnen Spots an die Stelle der Bedeutung zu setzen, die das Gesamtphänomen der Abwertung des Maskulinen in der gegenwärtigen Kultur einzunehmen hätte. Daß dies eine sehr flache Sicht ist, brauche ich Ihnen sicher nicht zu sagen; wird doch diese Verflachung wohl bewußt vorgenommen, um Ihre Leser vom Nachdenken über gewisse Tendenzen und Wirkungen abzubringen.


