Vereitelt die Diffamierung der Männer den ethischen Auftrag der Bildung? – Offenes Schreiben an Christian Pfeiffer
Der Hintergrund
P
rof. Dr. Pfeiffer ist ein häufiger Mediengast und gemäß seinem Fachgebiet als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen ein vielgefragter Mann, wenn Gewaltanalysen (insb. zur Jugendlichengewalt), von denen sein Institut häufig welche durchführt, aktuell werden. Letztens war dies nach dem erschütternden "Amoklauf" eines Siebzehnjährigen in seiner ehemaligen Schule von Winnenden bei Stuttgart der Fall – 16 Tote inklusiv Täter.
Zum Verständnis des Folgenden sollte nicht unterschlagen werden, daß sich Christian Pfeiffer im Laufe seiner kriminologischen Aufklärungszüge geschlechtsspezifisch im feministischen Sinn bewährte, indem er Männer und Frauen dem Muster des Täter/Opfer-Prinzips entsprechend unterordnete. Am deutlichsten formulierte sich dieser Entwurf in dem im Jahre 2000 vorgetragenen und publizierten Beitrag Pfeiffers "Gefährdet die Dominanz der Männer das Überleben der Menschheit?"1
Das Traktat erschien im selben Jahr, in dem auch DER MASKULIST seine Thesen zu formulieren begann. Leser dieser Seiten aber wissen, daß Äußerungen wie die Christian Pfeiffers hier als Mitursache dessen angesehen werden, was man heute landauf landab die Krise der Jungen nennt, um zu verschleiern, daß es sich dabei um eine Krise der Gesellschaft und des Bildungssystems handelt, deren Akteure - ähnlich wie Prof. Pfeiffer - unermüdlich ihr Bestes gaben, um das ethische Selbstverständnis heranwachsender Männer zu destabilisieren. Es war also eine Frage der Zeit, offen Stellung zu der Weltsicht Pfeiffers zu beziehen.
(Die E-Mail-Adresse Prof. Pfeiffers mußte telefonisch abgefragt werden.)
Der Text
Sehr geehrter Herr Prof. Pfeiffer!
Im Zuge der Gewaltdiskussion anläßlich des tragischen Falles von Winnenden im vergangenen Monat verspürte ich den Wunsch, noch einmal nach langer Zeit Ihren Essay aus dem Jahr 2000 über eine vermeintliche Gefährdung der Menschheit durch die Vorrangstellung des Männlichen im gesellschaftlichen Geschehnis (Sie nannten es "die Dominanz der Männer") zu lesen. Gewisse Widersprüche im Aufbau der gedanklichen Folgen dieses Vortrags, die ich schon ehemals ausgemacht hatte, sind nicht der Grund, warum ich Sie anschreibe. Ich tu es, weil in Erwägung der andauernden Ratlosigkeit um die Gründe derartiger Gewaltausbrüche bei Jugendlichen - wie beim sog. Amoklauf von Winnenden - auch Aspekte hervortreten, die nach dem intentionalen Charakter solcher Vorträge fragen, nach dem erzieherischen Einfluß also, den eine kategorische Negierung männlicher Dominanz auf männliche Jugendliche haben könnte.
"Vereitelt die Diffamierung der Männer den ethischen Auftrag der Bildung?" So könnte meine an Ihren damaligen Titel ("Gefährdet die Dominanz der Männer das Überleben der Menschheit?") angelehnte Fragestellung lauten - nur auf den ersten Blick weniger dramatisch.
In Ihrem Aufsatz beziehen Sie sich auf drei zentrale Problempunkte der Weltlage als da wären Überbevölkerung, Umweltgefährdung und Gewalt, um zu schließen, daß die Geschlechter hinsichtlich dieser Übel einander diametral entgegenstehen und dies so, daß Männer als die Verursacher zu gelten haben, Frauen dagegen als unbeteiligt bei der Entstehung der genannten Mißlagen und des weiteren als führend bei ihrer Beseitigung. Was ist daran falsch?
Um das zu beantworten, muß ich auf eine weitere Differenzierung in Ihrem Werk hinweisen. Denn die ethische Polarisierung der Geschlechter wird von einer anderen - ebenfalls ethischen - Polarisierung begleitet: Ähnlich wie Sie Frauen und Männer in einem sittlichen Gefälle zuungunsten der Männer setzen, setzen Sie auch die westlichen Gesellschaften in gewisser Hinsicht, nämlich in bezug auf die Befreiung gerade jenes Weiblich-Guten, an dessen Wesen ja Ihrer Meinung nach offenbar die Welt genesen soll, in Polarität zu den von Ihnen "Macho-Kulturen" genannten Gesellschaftsstrukturen.
Somit hätten wir aber zwei unterschiedliche "Dominanzen der Männer", jene der vermeintlichen Frauenverächter ("Macho-Kulturen") und eine ihr entgegengesetzte. Doch diese Differenzierung spielt in Ihrer Analyse keine weitere Rolle. Ist es ein Bekenntnis dazu, daß Dominanz und Männer an sich ethisch verwerflich sind, Schwäche dagegen und Frauen ethische Legitimation verdienen? Haben wir es hier mit den skurrilen Keimen eines vulgär-moralistischen und sexistisch ausgerichteten Etatismus zu tun?


