DER MASKULIST
13.09.2002

W

ährend des Wahlkampfes 2002 versuchten Freunde Außenminister Fischer zu einer Aussage hinsichtlich eines Wahlplakates zu bewegen, auf welchem ein liegender Mann der darüber sitzenden jungen Dame als Fußunterlage dient (ein Motiv, das später im Postkarten-Angebot der Grünen zu finden war). Als Antwort erging aber lediglich die Beteuerung eines Herrn Knoll, das Plakat gefiele ihm!

Nichts dagegen, schließlich gibt es der Geschmäcker und Gelüste verschiedene, und manch einer erlangt seine Befriedigung in Devotion.

Dennoch fanden wir, daß mit der gemeinten Abbildung Fragen zusammenhingen, die gestellt werden sollten. Denn ein Wahlplakat ist keine abstrakte Kunst, sondern konkrete Aussage. Hinter dieser müßten die Initiatoren stehen, falls sie Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen sollten.

In der Annahme also, die Offenlegung könnte eine verantwortungsbewußtere Reaktion auf diese Fragen erzielen, sandte DER MASKULIST am 11. Sep. 2002 folgende E-Mail mit dem Titel "Gleichstellungsphantasie in Grün" als offenen Brief an 'e-mail@joschka.de':


Die E-Mail (11. 09. 2002)

.........,

Anlaß zu diesem Schreiben gibt eines der Plakate der Grünen zum aktuellen Wahlkampf.

Darauf wird im Text die Gleichstellung der Geschlechter signalisiert: "Die Hälfte der Macht den Männern" - vielen Dank zunächst.

In Diskrepanz aber leider zu dieser Botschaft steht das Bild weiter unten, welches einen liegenden Mann zeigt, auf dessen Brust und Bauch eine über ihm sitzende Dame ihre Füße abgestellt hat, eine geradezu triviale und reichlich alberne Typisierung von Unterdrückung bzw. Unterwerfung.

Daher meine Frage an Sie, Herr Fischer und die Grünen: Was bedeutet das Plakat? Welche - mit Worten gefaßte - Aussage soll dieses Bild vermitteln? Warum erleidet die im Text angesprochene Gleichstellung solchen Schiffbruch im Bild? Warum sitzen nicht beide auf dem Sofa, oder prügeln sich meinetwegen gleichberechtigt? Schläft der Mann etwa, oder ist er gar tot? Läßt sich Gleichstellung nur auf dem Weg der Neutralisierung oder Kaltstellung des Mannes verwirklichen? Gibt es sie denn, die Gleichstellung bei den Grünen überhaupt, oder löst dort ein neuer, frauenverherrlichender Sexismus das sog. Patriarchat ab? Beschreibt die Darstellung auf dem Plakat die Verhältnisse innerhalb Ihrer Partei?

Sehr geehrter Herr Fischer, ich würde mich sehr freuen, eine Antwort von Ihnen zu erhalten. Und da ähnliche Fragen in der letzten Zeit verstärkt Männer beschäftigen, erlauben Sie mir diesen Austausch einer kleinen Öffentlichkeit im Internet (unter: www.maskulist.de) zur Verfügung zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen


Reaktion (Fischer-Mitarbeiter, 12. 09. 2002)

.........,

wie ich Ihrer Homepage entnehmen konnte, haben Sie bereits
Stellungnahmen meiner Seite erhalten. Einem Ihrer Kollegen habe ich
bereits geschrieben, dass das Problem am Feminismus die Humorlosigkeit
der Männer ist. Wer sich soziologisch-politisch mit der Frage von
Gleichstellung von Frauen und Männer beschäftigt, wird feststellen
müssen, dass wir aus vielen Gründen diese Gleichstellung noch nicht
erreicht ist. Auch das Grundgesetz weist darauf hin. In Artikel 3,2
steht geschrieben: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat
fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von
Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile
hin. "
Ich hoffe, dass Sie sich im Grundgesetz wiederfinden.
Herzliche Grüße


E-Mail II (13. 09. 2002)

.........,

schön, daß Sie mit einem Vorurteil gegen Männer beginnen. Man sieht gleich den waschechten Feministen vor sich. Männer aber besitzen Humor, Sie können es überall dort feststellen, wo Humor angebracht ist. Nur erlauben Männer ihrem Sinn für Humor nicht ihren Sinn für das Bedenkliche zu trüben.

Wir sehen es daher nicht mit Humor, wenn im Grundsatzprogramm einer mitregierenden Partei der Satz "Die Würde der Frau ist unantastbar" zu finden ist (S. 141), eine skandalös sexistische Verfremdung des Grundgesetztextes. Noch weniger dann, wenn die gleiche Partei zur selben Zeit eine angeblich humorige Entwürdigung des Mannes plakatiert.

Sollten Sie dennoch tatsächlich den Humor in meinem Einwand vermissen, tröstet Sie vielleicht etwas die Tatsache, daß es mir mit dem Ernst in Ihrer Partei oftmals nicht anders geht.

Zu der Diskrepanz übrigens zwischen der "Gleichberechtigung" des Grundgesetzes und Ihren Vorstellungen einer "Gleichstellung", nach welcher "die Hälfte der Führungspositionen (wie schick!) in Politik und in gesellschaftlichen Institutionen, in Hochschulen, Kultur und Wissenschaft, im öffentlichen Dienst und auch in der freien Wirtschaft weiblich zu besetzen" seien (S. 140, ebd.), benutze auch ich gern Ihren letzten Satz leicht abgewandelt:

Ich hoffe, daß Sie sich in der Wirklichkeit wiederfinden.

Seien Sie freundlichst gegrüßt

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