E-Mail-Austausch mit der Justizministerin
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u Beginn des Jahres 2000 wurde eine breite Diskussion um Veränderungen in der Bundeswehr entfacht, wobei sich auch die Zukunft des Zwangsdienstes für junge Männer (Wehrpflicht) zur Debatte stellte. Es gab gute Gründe dazu! Denn unabhängig von aller Fragwürdigkeit dieses staatlichen Eingriffs in die Entscheidungsfreiheit der jungen Männer wie auch der Zweckmäßigkeit einer Wehrverpflichtung im allgemeinen gewann diese Thematik durch einen weiteren Aspekt an Aktualität.
Durch die Entscheidung nämlich des Europäischen Gerichtshofes, wonach fortan auch Frauen, die aus freiem Willen die Militärlaufbahn antreten wollten, aus Gründen der Gleichberechtigung oder Gleichbehandlung zum Militärdienst zugelassen werden sollten. Da hier das für Feministen vermeintlich hehre Ideal der Gleichberechtigung als Motiv für die entsprechenden Änderungen fungierte und Gleichberechtigung nur als gleiches Recht für beide angesprochenen Seiten verstanden werden kann, mußte unweigerlich der Gedanke einer Abschaffung des Wehrzwanges und seiner Ersatzdienste für junge Männer Teil dieser Diskussion werden. Schon verwunderlich genug, daß der Verteidigungsminister verlauten ließ, die Zulassung von Frauen, die freiwillig in die Bundeswehr einträten, würde die Wehrpflicht für Männer (in den politischen Kreisen stets der Irreführung halber "allgemeine Wehrpflicht" genannt) "nicht berühren". Angesichts eines angeblich zugrunde liegenden Gleichberechtigungsprinzips berührt die Möglichkeit eines freiwilligen Dienstes für Frauen die Wehrpflicht der Männer nicht nur, sondern kippt sie gänzlich um, oder aber die Idee von gleichen Rechten geht dabei zugrunde. Denn wer kann dann noch von "Gleichbehandlung" sprechen, wenn Männer zu dem gezwungen werden, was Frauen nur bei Neigung auswählen dürfen? Der Feminist natürlich! Denn, wie wir schon auf diesen Seiten wiederholt gesehen haben, kann er nur eine Sprache haben, wenn sie auf sehr flexible Begriffe baut.
Die fragwürdigen Bemühungen jener Zeit, die mißhandelten Begriffe von Gleichberechtigung und Gleichbehandlung mit sichtlicher Fadenscheinigkeit weiter zu gebrauchen, machten es unausweichlich, daß sich den Begriffsschändern kaum eine Alternative zu einer rigorosen Flucht nach vorn bot, bei welcher der dürftige Proviant einer verlogenen Argumentation, der auf diesem Weg mitgenommen werden konnte, den grellsten Unsinn auf die Medienleinwand malte, wann immer sich die auf Gedeih und Verderb "frauenfreundlichen" Politiker dieses Themas annahmen. Zwei Positionen sollten gewaltsam in diesem verwegenen Konzept mit der Idee einer Geschlechtergleichbehandlung übereinstimmen: Frauen sollen dürfen dürfen, Männer aber müssen weiter müssen.
Man sieht: Die Politiker dieses Landes machen es sich keineswegs leicht! Denn wahrlich, es ist schwer, eine Gleichberechtigung ohne gleiche Rechte plausibel zu machen. Dementsprechend plump auch das Erläutern der Gründe: "Kriegen Männer denn die Kinder oder Frauen?" Diese Frage problematisierte ein CDU-Politiker dem Publikum dieser unglücklichen Prosa. Und ein weiblicher Abgeordneter mahnte im Bundestag mit dem bekannten Autoritätsgebaren, welches Feministinnen als ihr nunmehr (nach all dem angeblichen Unrecht von Jahrtausenden mit Zügen nun der Entrüstung angereichertes) verbrieftes Recht ansehen, daß ja keiner auch nur auf die Idee kommen solle, an eine Wehrpflicht für Frauen zu denken! Als würde andernfalls die Über-Mama mit dem großen Suppenlöffel aus der Küche treten... Doch dies wurde nicht nötig.
Am weitaus beeindruckendsten jedoch im Gleichberechtigungsdebakel war der Einsatz der Justizministerin, denn Frau Prof. Dr. H. Däubler-Gmelin gelang es, in einen sehr kurzen Satz soviel Aussage zu investieren, daß man durchaus sagen könnte, sie habe damals mit ihrer Klatsche die allermeisten Fliegen erwischt! Sie sprach aus, daß 'Männer durch die Wehrpflicht gehindert werden sollen, damit Frauen im Leben aufholen können'! Die Behinderung der Männer wollte als Ausgleich für die Schwangerschaft der Frauen verstanden sein, denjenigen "Umstand" also, der das Prinzip des Weiblichen bei allen Säugern ausmacht und der in den Augen der Politikerin kostbare Karrierezeit kostet und sich so als Hindernis für den weiblichen Teil der Welt darstellt, wofür eben die Männer einen Ausgleich zu leisten haben.
Emanzipation also vom feinsten! Die "Frauenbewegung" hat längst ihren Platz in der Gesellschaft gefunden: Auf dem Nacken der Männer nämlich; von dort aus läßt sich ihr Geschlechterkrieg am besten führen, lassen sich "Männerdomänen" am leichtesten "erobern". Fragt sich, wie lange es noch dauern soll, bis Männer endlich realisieren, was sie da mit Einsatz und Selbstlosigkeit auf ihren Schultern befördern.


