DER MASKULIST
07.04.2002

D

en Hintergrund der folgenden E-Mail an die Universität Ulm entnehme der Leser dem Beitrag "Intelligenz-Forschung, dumm gelaufen" unter "Zeitgeschehen". Diese E-Mail (gesandt am 6. Jan. 2002) sollte den Rektor der Universität Ulm, Prof. Dr. rer. nat. Hans Wolff, sowie Prof. Dr. Hameister und sein Arbeitsteam auf meine Abhandlung der vermeintlichen Forschungsergebnisse des Professors in dem oben erwähnten Beitrag aufmerksam machen. Die E-Mail erging an alle verfügbaren Personenadressen der Beteiligten. Eine Kopie erging zusätzlich an die Adresse des Journalisten Lucian Haas; eine weitere an einen Wissenschaftsredakteur des SWR Baden-Baden. Es gab keine Reaktion seitens der Universität.


Das Schreiben

Sehr geehrter Prof. Dr. rer. nat. .........,
sehr geehrter Prof. Dr. .........,
sehr geehrte Damen,

im vergangenen Monat überraschte eine "wissenschaftliche" These Prof. Dr. Horst Hameisters denkende Leser von Wissenschaftssparten in den Medien und denkende Hörer von wissenschaftlichen Radiosendungen.

Prof. Dr. Hameister behauptete in dieser These, aufgrund dargelegter Erkenntnisse der Humangenetik belegen zu können, daß die Entwicklung der Intelligenz auf unserem Planeten den Frauen zu verdanken sei, Männern aber nach seiner Auffassung 'Enttäuschendes und Entblößendes' zukäme.

Eine bedachtsame Überprüfung dieser Fakten ergibt aber... keineswegs das von Prof. Dr. Hameister formulierte Ergebnis. Schon gar nicht dann, wenn zusätzliche Erkenntnisse aus der Humangenetik herangezogen werden, die Prof. Dr. Hameister bekannt sein sollten. Ferner wird in seiner These das Wesen der Intelligenz selbst in ihrem Wirken bedauerlicherweise übergangen.

Unter dem Titel "Intelligenz-Forschung, dumm gelaufen" finden sich im Internet diese Einwände in Form eines Essays ausgeführt. Die Domainadresse ist: "www.maskulist.de" und dort unter: "Aktuell, aufgeschnappt". [Jetzt "Essays"]

Wissenschaftliche Forschungsergebnisse Strömungen des Zeitgeistes zu unterwerfen ist unwissenschaftlich und erst dergleichen ist "enttäuschend und entblößend" für die Träger eines solchen Geistes.

Mit freundlichen Grüßen.

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PS: Bitte betrachten Sie diese E-Mail als einen offenen Brief.


Kommentar

Das Hauptmerkmal von Prof. Hameisters Darlegungen war, daß in seinen Ansichten wissenschaftliche Fakten präsentiert wurden, die allerdings einem inkonsistenten Argumentationsfluß unterworfen wurden. Daher die durch die Frage des FR-Journalisten offenbar gewordene Irritation (siehe genannten Beitrag).

Des weiteren wird versucht, die Theorie durch fragliche, wenn auch zur Zeit sehr populäre Thesen zu untermauern. Die These z. B. der weiblichen Partnerwahl erweist beim genaueren Hinsehen erhebliche Lücken:

So gilt für die Tierwelt, daß Männchen ihre besondere anatomische Ausstattung und ihr konkurrierendes Verhalten deswegen an den Tag legen, um von den Weibchen 'erwählt' zu werden. Wenn aber doch das Weibchen vom 'Sieger' des Wettbewerbs bestiegen werden müßte, dann hätte es eher keine Möglichkeit der Wahl; und wenn es nicht von ihm sondern vom 'Verlierer' oder gar von einem dritten Männchen ebenso besprungen werden kann, was häufig geschieht, dann hat der Wettbewerb der Männchen einen anderen Sinn, als die gegenwärtige Forschermeinung ihm zuschreiben will! Diesen Sinn müßten wir in komplexeren Zusammenhängen suchen, welche Paarung an zweite Stelle, Revierverteidigung aber und Durchsetzung der eigenen Potentiale an erste Stelle setzen.

Ganz zu schweigen von den Fällen, wo Weibchen regelrecht zum Zweck der Begattung gejagt und eingeholt werden, oder den Fällen, wo ihnen ihre ganze bisherige Brut vom Angreifer eliminiert wird, wobei eine ganze Strategie verfolgt wird, nämlich sowohl das Weibchen durch Aufhebung der Säugezeit früher wieder in Paarungsstimmung zu versetzen, als auch die Exklusivität der eigenen Fortpflanzung zu gewährleisten. Und das kann ja wohl nicht die freie Wahl des Weibchens gewesen sein!

Es ist daher charakteristisch für diese Studien, daß sie den Ausgang des Tierverhaltens, den eigentlichen Paarungsmoment, der Interpretation säuberlich entziehen und nur die Ereignisse im Vorfeld kommentieren.

Noch dürftiger sind die Behauptungen über eine weibliche Partnerwahl beim Menschen: Es wird davon ausgegangen, daß, während der Mann meistens den ersten Schritt tut, das Ja- oder Neinwort der Frau am Ende entscheidet; wird aber weniger berücksichtigt, daß die Frau bzw. der Frauentypus, dem diese Entscheidung zugebilligt wird, vorher vom Mann ausgemacht wurde! Und es wird auch nicht berücksichtigt, daß in allzu vielen Fällen die Frau den ersten, wenn auch in der Regel etwas leiseren Schritt durch Gestik, Blicke oder sonstige Gebärden vornimmt.

Des weiteren gibt es eine Menge von Faktoren, die weibliche Partnerauswahl beim Menschen erheblich beeinträchtigen. Diese sind:

1. Die begrenzte Fertilitätszeit der Frau, die schon im jungen Alter nach einer Entscheidung drängt und allzu souveräne Auswahl verhindern kann, statt dessen Eile gebietet. Der Brauch der Mitgift wurde auch deswegen etabliert, damit junge Frauen rechtzeitig einen Abnehmer finden. Und Feministinnen protestieren heute gegen das Erwähnen dieser Zeitbegrenztheit im Schulunterricht, damit sich junge Frauen nicht eventuell gegen eine Karriere entscheiden!

2. Die größere Wahrscheinlichkeit bei Frauen, ihren wahren Vorzug aus Zwang oder Berechnung zu umgehen. Diese resultiert aus der anatomisch-physiologischen Möglichkeit der Frau, sich auch ohne eigenen Antrieb (Liebe) dem Partner zur Verfügung stellen zu können, was ja in der Prostitution (dem "ältesten Beruf der Welt"!) im wahrsten Sinn bezahlt macht; während der Mann eine Frau wirklich zumindest einigermaßen begehren muß, um mit ihr zu zeugen. Zwar gibt es 'Wissenschaftler' wie den Wiener Ethologen Karl Grammer, die behaupten, der Mann wäre an jeder Frau interessiert, Hauptsache eine Frau. Aber der Gesamtkontext dieser merkwürdigen Gilde von Wissenschaftlern verrät mit solch naiver Eindeutigkeit ihre männerherabsetzende Voreingenommenheit (Hurra, bald haben wir den Mann abgeschafft!), daß sie offensichtlich nicht damit rechnen, als unbefangene Forscher zu gelten. Ihre 'Untersuchungen' wird sicher jeder Mann verlachen, der weiß, daß es auch allzu viele Frauen gibt, mit welchen man ihn 'jagen könnte'.

3. Obwohl es die Frau ist, die empfängt und austrägt, verfügt sie über keine zumindest objektiv begründete Möglichkeit, Schwangerschaft zu beeinflussen oder zu unterbinden. Wir wissen, daß eine Frau selbst durch den in den Zivilisationen geächteten Akt der Zwangsbegatung schwanger werden kann. Wie mag sich dies in wilderen Perioden der Menschheit ausgewirkt haben?

4. Außer diesen natürlichen Faktoren der Beeinträchtigung einer wirklich freien weiblichen Partnerwahl läßt sich auch in den Bräuchen der allermeisten Kulturen kaum eine Tendenz erkennen, die Frauen in diesem Punkt Freiheiten gestattete. Das Interessante: Je älter und näher zu sog. Matriarchaten diese Kulturen sind, desto weniger! So ist vom ägyptischen Hochzeitsritual bekannt, daß erst in den späteren Dynastien die Zustimmung auch der Frau darin eingeführt wurde. In den Dynastien also, die nunmehr angeblich rein 'patriarchal' geworden waren.

Schließlich belegen Studien der Gegenwart (Karl Grammer), daß Frauen gerade bei der Wahl des Partners, mit dem sie gern zeugen möchten, alles andere als intellektuelle Vorzüge berücksichtigen. Nach Prof. Hameister ist das Hauptmerkmal der menschlichen Evolution, die Intelligenz, allein der weiblichen Partnerwahl zu verdanken.

Ferner haftet den Ansichten Prof. Hameisters, wie auch vieler anderer, eine deutliche Überbewertung der Sexualität überhaupt an. Es würde hier zu weit führen, die Hintergründe dieser sehr allgemeinen Tendenz der nachfreudianischen Zeit zu besprechen. Doch soviel können wir sagen: Solange die noch junge Wissenschaft der Genetik nicht die Reife erlangt hat, um ihren absolutistischen Wahn, alle existentiellen Ebenen des Individuums durch die Anordnung und Funktion der Gene zu erklären, abzulegen, wird sie als das Tor dienen, durch welches die Sexualhysterie unserer Zeit im geistigen Leben ihr Unwesen treiben wird.

Das Ergebnis wäre, daß mentales wie ethisches Verhalten einem profanen, genmechanistischen Verständnis unterzogen würden, in dem alles geistige Streben eine gehaltlose Schimäre wäre, wo Erkenntnisdrang, Wahrheitsstreben, Geist und Wissenschaft mitsamt der eigenen Forschung dieser Gelehrten bloß zu Nebenprodukten des Dranges nach beglückender Kopulation verkommen.

Um zu ergründen, was das bedeuten würde, wären vielleicht diese 'genmanipulierten' Forscher und Ethiker intelligent genug, dies auch einmal zu untersuchen. Und eine Bildungsstätte des Ranges einer Universität sollte die Frage nicht ohne Bedeutung sein lassen, ob solche Impulse aus ihrer Mitte in die Welt hinaus geschleudert werden sollten.

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