DER MASKULIST
05.10.2003

Der Hintergrund

D

en Hintergrund zu dieser Korrespondenz bietet der gesamte Beitrag "Ein Sommerloch für alle Jahreszeiten", insbesondere der Abschnitt "Ein Pudel und sein Kern" (Rubrik "Zeitgeschehen"). Dort wird eine Artikelserie der FAZ besprochen, deren einzige durchgehende Aussage uns wie ein sinnleerer, hämischer und inhaltlich anspruchsloser Nervenkrieg gegen den Mann und das Maskuline überhaupt erscheinen muß.

Die Attacke gipfelte im Beitrag des Londoner Professors Steve Jones, der nichts weiter bot als die Zusammenfassung aller populistisch-wissenschaftlichen Irrtümer und Böswilligkeiten vergangener Jahrzehnte über das männliche Chromosom (Y) in auffallend herabsetzender, penetranter und zickiger Weise. Doch es stellte sich heraus, daß sein intensives Auftreten - welches die FAZ besonders sorgfältig vorbereitete - mit der Mühe beladen war, die daraus erwuchs, daß sich die Publikation seines hämischen Werkes mit neuen Forschungsergebnissen über das Y-Chromosom sehr zu Lasten der Ansichten Steve Jones' durchkreuzte! Dennoch stellte sich etwas später auch DER SPIEGEL auf die Seite der wissenschaftlichen Frühgeburten des Londoner Wissenschaftlers (siehe hierzu unter "Briefe", "Eine Krankheit namens Verseuchter Journalismus").

Diese Ereigniskette ist für uns von Bedeutung: Feministen entblößten erstmalig so ungehemmt den faschistoid-sexistischen Kern ihrer Ideologie und stellten sich selbst an die Wand des Diskurses. Die 'politisch Korrekten' legten ihre Karten offen. Gemäß ihren Auswüchsen könnte ihr nächster Schritt nur die Forderung nach Abschaffung des Mannes sein, ein Offenbarungseid der Megären und ihrer medialen und politischen Zuhälter. Wer sich selbst aber an die Wand gedrängt wiederfindet, hat seine Potentiale ausgeschöpft. Feministen haben in Steve Jones und seinen Helfern ihr Gräßlichstes und Niederstes ausgesprochen und erhielten dabei nicht nur die richtige Lektion von der Forschung, die, gerade zum Zeitpunkt dieser Publikationen die Feministen beschämte, sondern erweckten auch Abscheu bei den Nachdenkenden. Ihnen bleibt also nur übrig, ihre Schlappe in Stille zu verdauen und zu hoffen, daß die menschenverachtenden Konsequenzen ihrer Hirngespinste möglichst unauffällig wieder in den Köpfen verblassen.

In jedem Fall, auch was die politische Pflege des Staatsfeminismus bei den leeren Kassen der Gegenwart betrifft oder das allmähliche Gewahrwerden der Jungenproblematik in der Bildung, duftet es irgendwie nach Wende. Wird jetzt die Wende kommen, die wir Maskulisten in den letzten zwei bis drei Jahren unermüdlich und fernab aller Medienhilfe einleiteten?

Die folgenden Schreiben wurden am 17. Sep. an die FAZ verschickt:


Begleitschreiben an FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher

Sehr geehrter Herr Schirrmacher,

eigentlich sende ich Ihnen in der Anlage nur einen Leserbrief, den ich auch Ihrer Leserbrieferedaktion zuschickte.

Warum ich ihn zudem an Sie persönlich adressiere, hat die Überlegung zur Ursache, daß Leserbriefe ja nicht immer abgedruckt werden, ich aber Wert darauf lege, daß Sie diesen persönlich lesen. Denn er kommentiert einen FAZ-Artikel, der sich m. E. in jene Geschlechterdiskussion einreiht, die Sie am 1. Juli mit Ihrem Beitrag "Männerdämmerung" eröffneten und etwas später mit "Kennwort Y" fortführten.

Es handelt sich um meine Rezension zur Präsentation des "Bestsellers" von Steve Jones mit dem lapidaren Titel "Y".

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung

 


Der Leserbrief zum FAZ-Artikel "Das Bild vom Y" von Steve Jones am 11. 08. 2003

Von Männerautarkie und von der Selbstaufhebung des Feministen

Professor Jones hat es eilig gehabt. Nur einige Wochen nachdem die komplette DNS-Sequenz des männlichen Chromosoms veröffentlicht worden war, erschien sein dem Chromosom gleichnamiges Buch. Warum solche Eile? [Es war noch nicht bekanntgegeben, daß Jones' Buch bereits vor der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse fertig vorlag!]

Die Forschungsergebnisse der letzten Monate haben nicht nur die gehässige Auffassung über das 'dumme Männer-Chromosom', das für uns Männer "beschämend" sein sollte (Prof. Hameister, Universität Ulm) und das viele Jahre hinweg als eine Ansammlung genetischen Mülls galt, zur derbsten wissenschaftlichen Idiotie der letzten Jahre werden lassen. Denn Wissenschaftler entdeckten nicht nur die "eleganten Tricks", die der Männermacher einsetzt, "um auf der Höhe zu bleiben"; nicht nur die auch für Professor Jones beeindruckend-intelligenten palindromischen Strukturen, die in ihren "riesigen Spiegelsälen", in den "geräumigen und makellosen Hallen" ihres Residierens "nichts von den Fehlern" aufweisen, die Sexisten einst gern vermuteten! Zu alledem scheint noch sicher zu sein, dass der Beginn unseres Menschentums in den Hoden eines Affen stattfand, und Oxforder Wissenschaftler vermuten sogar die Entstehung der Sprache im Y-Chromosom!

Das alles ging sehr schnell, und so gerieten die feministischen Biologisten in Panik. Schnell mußte jemand her, der dafür sorgt, daß die neuen Erkenntnisse so dargestellt werden, daß sie den angewöhnten Anti-Mann-Parolen eines politisch fest installierten Weibeswahns keinen Abbruch tun müssen. Professor Jones' Konzept:

Das Chromosom, das bisher als "das kränklichste, überflüssigste und parasitischste" galt (bei wem denn?), soll in unserem Bewußtsein zwar rehabilitiert werden, die drei deftigen Attribute aber sollen "seine Träger", die Männer, weiterhin zugesprochen bekommen. Ganz schön willkürlich, eigentlich unwissenschaftlich und ethisch bedenklich. Und das seitens eines Herrn, der ansonsten "soziobiologischen Erklärungsversuchen menschlichen Verhaltens kritisch gegenüber" steht! Schauen wir also etwas genauer hin.

Zuerst sollen wir mit den abgedroschenen 'Frauen-kommen-hoch'-Statistiken wie mit dem Vergleich der unterschiedlichen Lebenserwartung von Mann und Frau abgeschreckt werden. Was das erstere betrifft: Nur Uninformierte verkennen noch den Schmerz unseres Bundesfrauenministeriums darüber, daß 2002 erst 4 Prozentchen Weiblichkeit so etwas wie IT-Systemelektronik studierte. Und nur Halbwissende ignorieren die offiziellen Studien, die belegen, daß selbst in Ländern wie Schweden es die Frauen sind, die jene Entwicklungen blockieren, die uns Professor Jones gern als fast abgeschlossen hinstellen möchte (Material kann bei Bedarf geliefert werden).

Und daß die Lebenserwartungsskala ihre Abstufungen nach Geschlecht und Wohlstand abzeichnet, erinnert an die Überlebendentabellen der Titanic. Aber solch Regelwerk ließe sich ändern. Mit Gleichstellungsgesetzen etwa, die dafür Sorge trügen, daß 50 Prozent der Minen-, Bau- und Kanalarbeiter oder der Frontkämpfer in den Armeen XX-Trägerinnen sein würden, und nichts da mit besonderem Schutz in Katastrophenfällen und dergleichen! Ob der linksliberale Mister Jones, der "an die verändernde Kraft von Politik" ja glaubt, gerade an solchen Entwürfen arbeitet?

Der zweite Versuch des Autors bezieht sich auf die Veranlagung des Mannes zur Exposition, die hysterisch zum Faktor existentieller Gefährdung der Gesamtspezies erhoben wird: Golfspielen im Gewitter? Typisch Mann! Also kein Wunder, wenn auf euch Männer in zehn Millionen Jahren grundlegende Veränderungen zukommen!

Dabei hat es Schlimmeres gegeben. Männer etwa, so kühn, daß sie den umgekehrten Weg nach Indien nahmen, um zu beweisen, daß die Erde rund ist! Oder solche, die sich mit fliegenden Provisorien in die Lüfte wagten, um das Flugzeug zu erfinden. Was sollte man von solchen Typen halten?

Als letztes greift unser Mann zum unwissenschaftlichen Instrument des Vergleichs zahlenmäßiger Größen bei mikrobiologischen Entitäten. "Winzig" sei es, das Y-Chromosom, "ein blasser Schatten seines Partners" - wie unvorteilhaft! Nicht peinlich scheint dem Wissenschaftler solche Gegenüberstellung in einem Zeitalter zu sein, in welchem Menschen aus den winzigsten Bestandteilen der Materie die größten Potentiale an Energie schöpfen. Man denke hierzu auch, welch geringe Unterschiede im Genom schon völlig andere Arten ausmachen.

Nicht peinlich ist ihm auch der so offensichtlich tendenziöse Einsatz auffälliger Negierungen: "Allein" ist das Männerchromosom, statt "einmalig" oder "einzigartig", dazu die bemerkenswerte Autarkie, deren frische Entdeckung gerade die Wissenschaft entzückt, soll heißen "Sex mit sich selbst". Nun gut, wer weiß schließlich, aus welchen Erfahrungen heraus der Spezialist seine Formulierungen schöpft.

Sehr geehrter Herr Professor Jones, vielen Dank an dieser Stelle für die wertvollen Informationen zu unserem ureigenen Chromosom. Die waren uns aber bekannt. Rechtzeitig aus den aktuellen Wissenschaftsnachrichten herausgefiltert. Die Botschaft - um mit dem Dichter zu sprechen - hatten wir also schon. Uns fehlte allein Ihr überholter ideologistischer Aberglaube. Den brauchen aber auch nur Sie, um aus den neuen wissenschaftlichen Fakten ihr 'kränkliches, überflüssiges und parasitisches' Werk zusammenzustellen. Dabei riskierten Sie allerdings, als das anschauliche Exempel jener Feststellung mißverstanden zu werden, die im Satz Ihres Artikels transferiert wird: "Die Gene, mein Herr, die Ihr Gehirn ausmachen, sind bemerkenswert ähnlich jenen Genen, auf denen die Hirne von Würmern oder Hühnern aufbauen."

Mit freundlichen Grüßen


Keine Reaktion

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