DER MASKULIST
05.02.2001

W

orum es in der folgenden Beschreibung eines kurzen und eher undramatischen Gedankenaustausches mit einer Journalistin der Zeitschrift DIE ZEIT geht, ist lediglich die Leichtfertigkeit, mit welcher der Feminismus in seinen Berichterstattungen Begriffe gebraucht. Es handelt sich hierbei um den Begriff "Patriarchat". Doch der Leser soll aus dem hier Ausgeführten nicht auf die Bedeutung schließen, die dieser Begriff für den Autor dieser Webseite hat. Dies wird an anderer Stelle erläutert.


Der Hintergrund

Frau Susanne Mayer (Doktor, wie ich später erfuhr) berichtet uns im Auftrag der Wochenzeitschrift DIE ZEIT über das afrikanische Land Sambia nach ihrem dortigen Aufenthalt, während dessen sie eine Reportage speziell über die Chancen von jungen Frauen auf dem Bildungsweg erstellt hatte.1

Die Autorin besuchte Orte, führte Gespräche, lernte Menschen kennen, Männer und Frauen. Sie berichtet uns über ausgelassene Abende gesellig-fröhlicher Fraulichkeit, in welchen die einheimischen Freundinnen das Liebesspiel zwischen Mann und Frau karikieren; es kommen Väter zu Wort, die - zornig über das unzuverlässige Verhalten ihrer Söhne - einsehen, daß sie wohl besser daran täten, den Töchtern ein Studium zu finanzieren; wir erfahren von der sich gerade im Bau befindlichen Schule, die mangels anderer Mittel von den Eltern der Schüler selbst gebaut wird. Und wir werden darüber aufgeklärt, daß Frau Dr. Mayer in Sambia das vorfindet, was jeder waschechte Feminist an jedem beliebigen Ort dieser Erde auch vorgefunden hätte: ein Patriarchat!

Freilich ein "wankendes". Denn welches Patriarchat (was immer darunter verstanden wird) soll in einer Zeit nicht wanken, in welcher überall auf dieser Welt Frauen, die über den erkennenden Scharfsinn einer Frau Dr. Mayer verfügen, den Planeten damit durchwandern; einen Scharfsinn, von welchem uns sogleich eine Kostprobe vergönnt wird, und zwar indem uns Frau Dr. Mayer in die Gründe einführt, die sie zu ihrer Schlußfolgerung brachten.

Diese Gründe offenbarten sich Frau Dr. Mayer in dem Getümmel am Marktplatz ihres Aufenthaltsortes. Dort konnte sie nämlich beobachten, wie Marktfrauen diversen Aktivitäten nachgingen, zu welchen auch das Betreuen von Kindern und das Tragen von Broten gehörte. Am gleichen Platz aber befanden sich einmal einige junge Männer, die sich nicht mit vergleichbaren Tätigkeiten beschäftigten, sondern schlicht einen Spaziergang machten. Das taten sie plaudernd, ungezwungen und freudig; geradezu pittoresk ist das Bild, mit welchem Frau Dr. Mayer sie uns beschreibt, wie sie von den umliegenden Bäumen Blüten reißen, die sie in die Luft schleudern. Offenbar ist Frau Dr. Mayer auf Anfrage über das Fehlen an Beteiligung dieser jungen Männer am Marktgeschehen mit der Begründung abgefertigt worden, Männer hätten zu schwache Gelenke, um Brote oder Kinder zu tragen. In dieser belustigenden Erklärung sah die Autorin des Berichts scheinbar eine 'patriarchale' List, um die schwere Arbeit auf die Frauen abzuwälzen, konnte man in DIE ZEIT vernehmen.

Ginge es darum, einen Bericht über schwere, unzuträgliche oder gar lebensgefährliche Arbeiten zu verfassen, die in Sambia und überall auf der Welt ausschließlich von Männern ausgeführt werden, Arbeiten, die der Ernährung von Familien dienen oder welche Gesellschaften, Staaten und andere Autoritäten allein Männern aufbürden, käme gewiß Fürchterlicheres dabei heraus als das Tragen von Broten und Kindern. Doch das zufällige Bild der Marktfrauen und der herumspazierenden jungen Männer genügt der Autorin zunächst für die von ihr beabsichtigte Suggestion; nutzt es doch eine griffige Formel aus, nämlich die Formel der ausgenutzten Frau (Opfer) und des - wenn auch nur in diesem Moment - genießenden Mannes (Nutznießer, Täter). Der Feminismus sucht seine Paradigmen, wo immer er kann.

Oberflächlich, gehaltlos, aus allem Zusammenhang gerissen bringt hier der feministische Geist sein Argument vor, indem er den Begriff, den er braucht, mit Leichtfertigkeit in das Geschriebene hinein schmuggelt, geschrieben noch dazu in einem Blatt, dem Millionen Ernstdenkender ihr Vertrauen entgegenbringen.

Unter dem Stichwort "Einseitig" schrieb ich an die Zeit:

Der Brief (06. 12. 1998)

Zum Bericht: "Überleben lernen"

Dass Frau Mayer in Sambia den recht poetisch geschilderten Anblick "junger Männlichkeit", die "plaudernd,... die Arme frei schlenkernd sich in den Tag hineinbewegt", in einer Momentaufnahme dem Bild beschäftigter Marktfrauen gegenüberstellen kann, überzeugt sie, hier passende Ausdrucksformen eines "Patriarchats" (was denn auch sonst?) zu gewahren. Entgegen aller bisherigen Beschreibung von "Patriarchaten" allerdings, soll sich dieses Mayersche "Patriarchat" auch mal auf die These stützen, Männer seien zu schwach um Sachen zu tragen!

Nicht so ausführlich aber uns gegenüber ist Frau Mayer, wenn es darum geht, die Beteiligung der Geschlechter im Bau der von den Eltern zu errichtenden Schule etwas näher anzugeben. Ob hier die auf dem Markt frei schlenkernde Männlichkeit irgendwo zupackend zu entdecken wäre?

Und wenn wir uns des Themas intensiver annehmen, um festzustellen, dass in nahezu allen Kulturen dieser Erde, alle schwere und gefährliche Arbeit, ob es sich dabei um das Verweilen unter Tage handelt, das Kämpfen ums Überleben auf hoher See, den Städte- und Strassenbau, das Löschen von Feuern, das Verteidigen von Gütern aller Art und was man sich noch so denken mag, von Männern übernommen wurde, dürfen wir dann in Entsprechung zur Frau Mayers Begrifflichkeit fortan von einem wankenden "Matriarchat" heutzutage reden?

Anders gefragt: Wann werden - ansonsten ernste - Medien wie "DIE ZEIT" anfangen, von der tendenziösen Begriffs-Seichtheit feministoiden Denkens sich allmählich zu distanzieren?


Die Reaktion (17. 12. 1998)

Frau Dr. Mayer beantwortete meinen Brief und bezog sich dabei auf meinen letzten Satz, indem sie meine darin beinhaltete Frage wiederholte. Hier ihr Schreiben:


.........,

wann werden " Medien wie DIE ZEIT anfangen, von der tendenziösen Begriffs-Seichtheit feministoiden Denkens sich allmählich zu distanzieren?"

Nun, ich hoffe doch erst dann, wenn Männer und Frauen sich tatsächlich harte, spannende, mühselige, spaßige, nervige, interessante, bezahlte und unbezahlte Arbeit teilen.


Kommentar

Eine interessierte Dame, die diese Korrespondenz mitverfolgt hatte, sah in den vielen Adjektiven, welche Frau Dr. Mayer dem Wort "Arbeit" beigefügt hatte, die Kompensation eines Mangels an Inhalten und zeigte sich darüber verwundert, daß Frau Dr. Mayer einen nachdenkenden Leser mit kritischen Anmerkungen zu ihren Ausführungen so "leichthin abfertigte".

Frau Dr. Mayers Antwort - und dabei ist die Anzahl der das Wort "Arbeit" begleitenden Adjektive gleichgültig - bedeutet nichts anderes, als daß Feministen ihre Aufgabe erst dann erfüllt sehen, wenn beide Geschlechter alle Tätigkeiten in gleichem Maß ausüben!

Daß aber diese Vorstellung, die beiden Geschlechtern alle Bereiche des Lebens säuberlich zur Hälfte zuteilt, niemals erfüllt werden kann, ist eindeutig!

Und hierbei sind keineswegs nur die Bereiche gemeint, die besonderen körperlichen Einsatz erfordern, wie selbst der Feminismus gelegentlich zugibt. Auch Betätigungen, die mentalen Charakter haben, oder solche, die eine emotionale Komponente einschließen, werden von den zwei Geschlechtern unterschiedlich aufgenommen und ausgeführt.

Denn unterschiedlich ist nicht nur die körperliche Beschaffenheit von Mann und Frau. Unterschiedlich ist auch das Verhalten beider Geschlechter z. B. in der Ausführung abstrakten Denkens, in der Weise, wie und mit welchen Prioritäten sie beide die Sprache als Werkzeug gebrauchen; es ist unterschiedlich in der Einbindung der Emotion im Denkprozeß, in der Haltung zu natürlichen Gegenständen gegenüber von durch Kultur erzeugten Artefakten, letzteres erweitert sich in unterschiedlichen Graden technischen Interesses, eine Differenz, die zusätzlich durch Verschiedenheit bei der räumlichen Wahrnehmung und der mathematischen Begabung von Mann und Frau unterstützt wird.

Verbunden mit den Prinzipien und Eigenschaften ihrer unterschiedlichen Körper macht all dies die Geschlechter so grundlegend verschieden, daß die sich immer wieder selbstwiderlegende Geschlechternivellierung im modischen Denken und in den auf Sensation und Verdummung hin zielenden Medien der Gegenwart sich auf dem Weg befindet, einmal als der größte anthropologische Irrtum, der jemals Hochkulturen befallen hat, erkannt zu werden oder aber auf dem Weg, alles auszuhöhlen, was eine Kultur der Geschlechter oder die Kultur überhaupt ausmacht! Denn eine derart unsachgerechte Verteilung von Kompetenzen, wie der Feminismus sie etwa mittels der Durchsetzung von Quotenverhältnissen zu erreichen im Begriffe ist, würde allmählich, aber sicher, alle betroffenen Bereiche pervertieren.

Zwar ist auch dem Feministen klar, daß Arbeitsplätze in Bergwerken und Frisiersalons, an der Kasse und am Preßlufthammer, auf Werften und in Kindergärten niemals "gerecht" unter die Geschlechter verteilt sein werden. Auch hat der Feminismus nie einen Ansatz gemacht, schwere und gefährliche Arbeiten den Frauen anzuempfehlen, geschweige denn durch Regelungen ihnen aufzuzwingen. Das minderbemittelte Reservat des Malochens überläßt er zu gern dem Mann als einziges eigenes Betätigungsfeld, eine Berechnung, die Männern allmählich eine Sklavenfunktion aufzuzwingen geeignet wäre.

Wie können wir dann aber Frau Dr. Mayers Forderung, wonach 'Männer und Frauen sich tatsächlich harte, spannende, mühselige... etc. Arbeit teilen', als eine feministische Forderung verstehen?

Die Antwort ist: Diese utopische Vorstellung als Forderung ist nichts anderes als ein unabdingbares Werkzeug des Feminismus und eine seiner wichtigsten Methoden, welche die Funktion erfüllt, das unersättliche Fordern nach Vorteilen für seine Klientel mit niemals zu begleichenden Schuldscheinen gegen den Schuldner Mann auszustatten!

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß Frau Dr. Mayer nichts an meiner Formulierung berichtigt, die sie selbst in ihrem Schreiben wiedergibt und in welcher ich den Feminismus der Bedienung einer "tendenziösen Begriffs-Seichtheit" als Mittel bezichtige! Nachlässigkeit oder Zugeständnis?

Ich beantwortete Frau Dr. Mayers Brief folgendermaßen:


Brief II (20. 12. 1998)

.........,

es ist etwas schade, dass die Beschreibung des Mittels, dessen Gebrauch Sie im ersten Satz Ihres Schreibens gestehen, Sie nicht stutzig über die Qualität und Realisierbarkeit Ihres im zweiten Satz aufgeführten Zieles macht. Auch scheint Ihnen weder aufzufallen, wie wenig sich die sog. "Frauenbewegung" dafür einsetzt, dass harte, schwere und gefährliche Aufgaben ebenfalls geschwisterlich unter den Geschlechtern verteilt werden, noch wie merkwürdig wenig der Mann als "Frauenausbeuter" und "Frauengegner" in einem "Geschlechterkrieg" auf eine solche, ihn entlastende Verteilung hin drängt.

Offenbar sind im Abendland - anders als in Ihrem sambianischen "Patriarchat" - sowohl "Frauenrechtlerinnen" als auch "Patriarchen" einhellig der Meinung, dass hier eher die Frauen schwächere Gelenke haben, und tragen dieser Erkenntnis in gegenseitiger Einvernehmung Rechnung, ohne dass ihre "Theorie" auf Grund ihres diametralen Unterschieds zu der von Ihnen geschilderten afrikanischen etwa zu einem "Matriarchat" geführt hätte. Schön doch zu wissen, wie antipodisch sich "Patriarchate" aufbauen lassen, wie vage, instabil und willkürlich die dahintersteckende Ideologie spielen darf. Ob dies nur, 'weil sie ein Mädchen ist'?

Wie dem auch sei. Hat man aber diese Instabilität einmal erkannt, dürfte es nur noch ein kleiner Schritt sein bis zur Entdeckung all der anderen Floskeln in Ihrer Weltanschauung, ob diese uns nun die natürliche, oft nicht ganz spannungsfreie Dualität des Menschen in Geschlechtern als einen immerwährenden "Geschlechterkrieg" interpretieren wollen, ob sie alle spezifisch männliche und weibliche Eigenschaften durch angebliche, aufgepfropfte "Geschlechterrollen" zu leugnen versuchen, ob sie vermeintliche "Matriarchate" als historische Gegebenheit deklarieren um uns die phantasierte Möglichkeit eines solchen Systems zu suggerieren, ob sie schließlich die Bedeutsamkeit der Vatergestalt in der Propaganda der "Mutter-Kind-Familie" kündigen, das Aufkommen der "Powerfrau" verkünden, die alles besser macht (sogar "morden" und "lügen") und die nun pünktlich auf die Weltbühne zur Schichtübergabe tritt, um die versagende Spezies "Mann" im "Kulturwandel" abzulösen, und was uns sonst der modische Flachgeist tagtäglich aus Medien aller Kategorien pfeift, um unser Gehirn von "alten, patriarchalen Vorurteilen" zu "befreien" ( sollte man nicht sagen "waschen"?).

Weil aber leere Begriffe leider kein gediegenes Denken erzeugen, was wiederum zersetzend auf die Kultur des Menschen wirkt, werden Sie hoffentlich dem Kulturfreund nicht abhold, wenn er Ihrem Werk nun den Erfolg weder wünschen darf, noch will.

Meine Empfehlung an ernste Medien, sich von diesen Tendenzen zu distanzieren, ist relevant und aktuell, ja mittlerweile sogar recht dringlich.

Ich bekam keine weitere Antwort von Frau Dr. Mayer.

Neun Tage nach der Sendung dieses zweiten Briefes jedoch antwortete eine andere Dame im Namen der "Wochenzeitung für Politik - Wirtschaft - Handel und Kultur", daß für meinen Brief "schlicht an Platz" fehle, meine "Anregungen" aber weitergeleitet werden würden. Na dann...

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Quellen, Anmerkungen:

1. DIE ZEIT Nr. 50/98, "Überleben lernen"