Brief an DIE ZEIT
W
orum es in der folgenden Beschreibung eines kurzen und eher undramatischen Gedankenaustausches mit einer Journalistin der Zeitschrift DIE ZEIT geht, ist lediglich die Leichtfertigkeit, mit welcher der Feminismus in seinen Berichterstattungen Begriffe gebraucht. Es handelt sich hierbei um den Begriff "Patriarchat". Doch der Leser soll aus dem hier Ausgeführten nicht auf die Bedeutung schließen, die dieser Begriff für den Autor dieser Webseite hat. Dies wird an anderer Stelle erläutert.
Der Hintergrund
Frau Susanne Mayer (Doktor, wie ich später erfuhr) berichtet uns im Auftrag der Wochenzeitschrift DIE ZEIT über das afrikanische Land Sambia nach ihrem dortigen Aufenthalt, während dessen sie eine Reportage speziell über die Chancen von jungen Frauen auf dem Bildungsweg erstellt hatte.1
Die Autorin besuchte Orte, führte Gespräche, lernte Menschen kennen, Männer und Frauen. Sie berichtet uns über ausgelassene Abende gesellig-fröhlicher Fraulichkeit, in welchen die einheimischen Freundinnen das Liebesspiel zwischen Mann und Frau karikieren; es kommen Väter zu Wort, die - zornig über das unzuverlässige Verhalten ihrer Söhne - einsehen, daß sie wohl besser daran täten, den Töchtern ein Studium zu finanzieren; wir erfahren von der sich gerade im Bau befindlichen Schule, die mangels anderer Mittel von den Eltern der Schüler selbst gebaut wird. Und wir werden darüber aufgeklärt, daß Frau Dr. Mayer in Sambia das vorfindet, was jeder waschechte Feminist an jedem beliebigen Ort dieser Erde auch vorgefunden hätte: ein Patriarchat!
Freilich ein "wankendes". Denn welches Patriarchat (was immer darunter verstanden wird) soll in einer Zeit nicht wanken, in welcher überall auf dieser Welt Frauen, die über den erkennenden Scharfsinn einer Frau Dr. Mayer verfügen, den Planeten damit durchwandern; einen Scharfsinn, von welchem uns sogleich eine Kostprobe vergönnt wird, und zwar indem uns Frau Dr. Mayer in die Gründe einführt, die sie zu ihrer Schlußfolgerung brachten.
Diese Gründe offenbarten sich Frau Dr. Mayer in dem Getümmel am Marktplatz ihres Aufenthaltsortes. Dort konnte sie nämlich beobachten, wie Marktfrauen diversen Aktivitäten nachgingen, zu welchen auch das Betreuen von Kindern und das Tragen von Broten gehörte. Am gleichen Platz aber befanden sich einmal einige junge Männer, die sich nicht mit vergleichbaren Tätigkeiten beschäftigten, sondern schlicht einen Spaziergang machten. Das taten sie plaudernd, ungezwungen und freudig; geradezu pittoresk ist das Bild, mit welchem Frau Dr. Mayer sie uns beschreibt, wie sie von den umliegenden Bäumen Blüten reißen, die sie in die Luft schleudern. Offenbar ist Frau Dr. Mayer auf Anfrage über das Fehlen an Beteiligung dieser jungen Männer am Marktgeschehen mit der Begründung abgefertigt worden, Männer hätten zu schwache Gelenke, um Brote oder Kinder zu tragen. In dieser belustigenden Erklärung sah die Autorin des Berichts scheinbar eine 'patriarchale' List, um die schwere Arbeit auf die Frauen abzuwälzen, konnte man in DIE ZEIT vernehmen.
Ginge es darum, einen Bericht über schwere, unzuträgliche oder gar lebensgefährliche Arbeiten zu verfassen, die in Sambia und überall auf der Welt ausschließlich von Männern ausgeführt werden, Arbeiten, die der Ernährung von Familien dienen oder welche Gesellschaften, Staaten und andere Autoritäten allein Männern aufbürden, käme gewiß Fürchterlicheres dabei heraus als das Tragen von Broten und Kindern. Doch das zufällige Bild der Marktfrauen und der herumspazierenden jungen Männer genügt der Autorin zunächst für die von ihr beabsichtigte Suggestion; nutzt es doch eine griffige Formel aus, nämlich die Formel der ausgenutzten Frau (Opfer) und des - wenn auch nur in diesem Moment - genießenden Mannes (Nutznießer, Täter). Der Feminismus sucht seine Paradigmen, wo immer er kann.
Oberflächlich, gehaltlos, aus allem Zusammenhang gerissen bringt hier der feministische Geist sein Argument vor, indem er den Begriff, den er braucht, mit Leichtfertigkeit in das Geschriebene hinein schmuggelt, geschrieben noch dazu in einem Blatt, dem Millionen Ernstdenkender ihr Vertrauen entgegenbringen.
Unter dem Stichwort "Einseitig" schrieb ich an die Zeit:


