DER MASKULIST
26.04.2001

D

aß Sprache Macht bedeutet, hat der Feminismus früh erkannt und sich mit Vehemenz daran gemacht, dieses wichtige Organ des kollektiven Menschen gänzlich für seine Zwecke zu vereinnahmen. Die Art wie er es fertigbrachte, in die Sprache einzugreifen und sie mit seiner 'Korrektheit' zu durchsetzen, indem er Begriffe schuf, umgestaltete oder umdeutete, um - je nach Bedarf - entweder die Geschlechter zu nivellieren oder deren Unterschiede zu Lasten des Mannes zu definieren, haben bisher leider nur wenige aus dem Kreis der mit dieser Korrektheit nicht Infizierten, als eine Kulturplage empfunden. Dagegen fungieren die meisten Medien als Urheber, Träger und zugleich untrüglicher Spiegel dieser Entwicklungen.

Einen Konsens darüber, wie die 'richtige Sprache' endlich aussehen soll, konnte der neuere Feminismus bisher nicht schaffen. Die theoretische Problematik, welcher sich die Sprachmacherinnen gegenwärtig widmen, hängt mit dem Dilemma zusammen, ob sich das grammatikalische Genus ("der", "die" und das Neutrum "das") mit seinem darauffolgenden Substantiv auf geschlechtlicher Differenzierung, also dem Sexus, beruht oder ob es ursprünglich für andere Kategorien als die geschlechtlichen stand.

Da sich diese Frage als diskutable erweisen kann und auch in vorfeministischer Vergangenheit gelegentlich aufgegriffen wurde, machen die Vertreterinnen einer 'neuen frauengerechten Sprache', die von derlei Fragestellungen ausgehen, einen durchaus ernsthafteren Eindruck als diejenigen Feministinnen, die in einer sexusbezogenen Grammatik das Instrument einer gewollten 'patriarchalen' Sprachunterdrückung sehen, die es heute durch Umkehrung der Sprachregeln zu rächen gilt - bis auf die Tatsache, daß erstere häufig den Sexus als eine der primären Kategorien, anhand derer der Mensch sein Denken und so auch seine Sprache gestaltete, ziemlich unterschätzen. Denn dem Einsichtigen wird es nicht leicht sein, anzunehmen, daß der Mensch mit seinem Denken zwischen groß und klein, stark und schwach, hell und dunkel, Berg und Tal, hoch und flach etc. unterscheiden lernte, weniger aber zwischen Mann und Frau.

Eine ganze Fülle von grellen Vorstellungen aber breitet sich vor uns aus, wenn wir beginnen, die Modelle einer 'neuen frauengerechten Sprache' zu betrachten, die in den Köpfen der Feministinnen der zweiten Liga hausen. Hier wird der Vorgang, der zur neuen Sprache führen soll, in drei Ph(r)asen dargestellt.

Indem wir im folgenden diese Ph(r)asen durchgehen, wollen wir die sich dabei bietende Gelegenheit nicht versäumen, einen Einblick in die charakteristische Methodik feministischen Vorgehens zu gewinnen:

a) Die "patriarchale Sprache"

In der ersten, der zu überwindenden Phase, haben wir es mit der 'patriarchalen Sprache' zu tun; das ist die uns gewöhnliche Sprache, welche als die Erfindung eines konspirativen Männertums geheimbündlerischer Art gedeutet wird, deren Zielsetzung einzig war, die Frau sprachlich zu benachteiligen und zu unterdrücken, um so das Machtverhältnis des Mannes über die Frau mittels der Sprache zu manifestieren.

Warum dies nicht so ist, werden wir etwas später, im dritten Abschnitt dieses Beitrags, besprechen. Es ist aber schon an dieser Stelle nützlich, darauf hinzuweisen, daß dieser Behauptung durch allzu viele Sprachinhalte widersprochen wird. So haben wir in Fällen, in denen Machtverhältnisse zementiert werden sollten, eindeutige Ausführungen einer sprachlichen Manifestierung dieser Verhältnisse, wie z.B. in den Wörtern "Herr" und "Sklave" oder "Diener". Daß aber das Machtgefälle in der sog. patriarchalen Sprache nicht geschlechtsspezifisch ausgerichtet ist, erkennt man daran, daß es parallel dazu auch die Begriffe "Herrin" und "Sklavin" oder "Dienerin" gibt. In vielen 'patriarchalen Sprachen' ist "Herrin" die gewöhnliche weibliche Anredeform in vollkommener Entsprechung zu der männlichen, "Herr" (gerade in südeuropäischen Sprachen z.B.)

Stutzig dürfte uns auch die Tatsache machen, daß dem femininen Personalpronomen "sie" wie auch dem Artikel "die" von den 'patriarchalen' Sprachgestaltern verschiedener Sprachen (z.B. der deutschen) zusätzlich zu der individuellen auch die generalisierende Form des Plurals verliehen wurde, und es so überindividuelle Bedeutung zu erhalten 'Gefahr' lief; eine Gefahr, die von den vermeintlich frauenunterminierenden Patriarchen ganz bestimmt erkannt und beseitigt worden wäre. Es wäre sicher ein Witz, wenn Männer sich deswegen diskriminiert sehen sollten, weil die Kollektivform mit dem weiblichen Artikel eingeleitet wird, wie etwa in dem Satz "die deutschen Männer sind überzeugte Frauenrechtler", aber das wäre immerhin kein so lustiger Witz wie der von jenen Feministinnen, die selbst in Wörtern wie "erkennen" "erhalten" oder "erhaben" die erste Silbe monieren und für eine Umgestaltung solcher Wörter in "siekennen" oder "siehaben" plädieren. Das Verblüffende: Letzteres ist kein Witz; solche Forderungen wurden allen Ernstes gestellt!

Auch in der Polarisierung von Qualitäten läßt sich bei den verschiedenen Kulturen keine geschlechtlich orientierte Eindeutigkeit ausmachen. So wird gerade in der jüdisch-christlichen Tradition Gott mit gleicher Selbstverständlichkeit als männlich begriffen wie sein Widersacher, und der antike Held Herkules beginnt seine Erretterlaufbahn, nachdem er die Wahl zwischen Tugend und Lasterhaftigkeit in einer Sage entscheidet, die für beide gegensätzlichen Charakterzüge weibliche allegorische Gestalten anwendet. Und ausgerechnet bei dem von Feministen oft sogar als matriarchal angesehenen Taoismus ist die Geschlechtersymbolik auf solcher Art polarisiert, daß die dualistische Urzweiheit von Yang und Yin der parallelen Gegenüberstellung der Begriffe männlich und weiblich, beherrschend und ergeben, Himmel und Erde, Geist und Materie, aktiv und passiv, schöpferisch und empfangend folgt, wobei dem Männlichen die jeweils erste Eigenschaft zufällt.

Trotz alledem versucht der Feminismus den Eindruck zu erwecken, als gehe er Tatsachen mit festen Umrissen an. Betrachten wir aber als nächstes sein Vorgehen und halten uns dabei an dem Kamel im vorangegangenen Beispiel fest:

In der ersten Phase der Durchsetzung seiner Interessen ist Feminismus stets und ganz Klageweib und stimmt auch entsprechend sein Lied an. Seine Begriffe: "Unrecht", "Diskriminierung", "Unterdrückung", "Benachteiligung". Seine Ikonen: Die leidende Frau, der Archetypus des weinenden, unterdrückten Weibleins, das uns das Herz zerreißt. Es trägt ein Bündelchen Holz auf dem Rücken und geht dabei beinahe in die Knie, während der Mann auf dem Esel sitzt, oder es heult uns in Tagesblättern aus Krisengebieten entgegen, wobei es gleich ist, ob es deswegen heult, weil eben gerade all seine männlichen Verwandten exekutiert wurden oder weil es im Tumult sein Portemonnaie verloren hat. Sie ist die Frau, und sie heult; alles andere soll uns egal sein. Hier werden Ikonen aufgestellt und nicht etwa Gedanken gemacht!

In unserem Fall heult sie allerdings, weil in der Stellenausschreibung eine "Professoren-" und keine "Professorinnenstelle" ausgeschrieben wurde, oder sie beargwöhnt den Kellner, der fragt, ob man ein Bier bestellt habe, obwohl dies frau getan hatte. Und wie wäre die Welt ganz anders, wenn man derlei unterließe! Unrecht muß weg, das Recht soll her! Schauen wir, wie feministisches Recht seine Wege zu finden sucht:

b) Die "geschlechtsneutrale Sprache"

Dieser Schritt vollzieht zunächst die mittlere, das ist im feministischen Vorgehen die angebliche Gleichberechtigungsphase; in unserem Fall ist dies die grammatikalische und semantische Nivellierung oder "Neutralisation" der Geschlechter im frauengerechten sprachgestalterischen Prozeß.

Sie ist immer die Phase, in welcher der Feminismus als Anliegen die Gleichstellung vortäuscht, bereits aber mit seinen Errungenschaften imponieren zu suchen beginnt, um uns zu zeigen, was alles erreicht worden wäre, wenn es die 'Patriarchen' nicht immer schon verhindert hätten. Hier lauten seine Begriffe: "Emanzipation", "Ermächtigung", "Chancengleichheit". Die Ikonen: Es wird nicht mehr geheult. Auferstanden aus Ruinen kokettiert jetzt eine schon recht streitbare Powerfraulichkeit mit bereits Erobertem und vielem Dazugedachten, sie strahlt uns entgegen als Karrierefrau, die, schwanger und erfolgreich zugleich, mit charismatischer Leichtigkeit die Stufen des Aufstiegs durch "Kommunikativität", "soziale Kompetenz" und "Einfühlungsvermögen" besteigt, dazu noch ausgestattet mit zwei Luxusgehirnhälften, die so hervorragend miteinander kurzschließen, daß wir, die wir ständig nur mit irgendwelchem Zeug zu zappeln imstande, aber weder schwanger noch erfolgreich sind (es sei denn, das 'wankende Patriarchat' greift uns - was dieses zweite betrifft - mit letzter Kraft noch mal unter die Arme), blaß vor Neid werden!

Aber anstatt uns zu verlassen und mit dem neuen Wagen samt neuen Superkerl die Weiten zu suchen, die ihrem herrlich freien Wesen ziemen (wie es eine Autowerbung will), beharrt sie souverän und gütig an unserer Seite, bestrahlt die dunklen Verliese, in denen Männerseelen hausen, mit der Leuchtkraft hehrer Weiblichkeit, und nachdem sie uns das richtige Spülmittel gezeigt hat, fährt sie mit dem 'Einen, der sie glücklich macht' (dem PEUGEOT-106) nur spazieren, während wir – 'der andere' - 'Zuhause sitzen' dürfen 'und kochen' (frauenfreundliche Werbung von PEUGEOT in ALEGRA). Kam sie doch einem gleich nicht ganz geheuer vor, wie sie da mit dem Bündelchen Holz auf dem Rücken kauerte!

Und nicht etwa, daß uns Männern irgend etwas bliebe! Die nagelneue Frau macht alles besser, nicht nur Aerobic, sondern auch Maschinenbau, 'wenn man(n) sie nur läßt'; und besucht nicht nur Seminare und Selbsthilfegruppenabende, sondern führt auch allerbestens z.B. Verbrecherjagden aus!

Haben Sie, lieber Leser, auch schon mal die Polizistin gesehen, die beim nicht motorisierten Einsatz ihre Kollegen verloren hat, weil sie ihr zu schnell davonliefen, oder die überrascht zusammenzuckt, weil sich das Funkgerät aus ihrer Brusttasche plötzlich meldet? Falls ja, dann vergessen Sie es. Das ist bloß Wirklichkeit. Im Fernsehen aber, oder im Kino, im Film und in der Werbung, da können Sie genau das erleben, was wirkliche Ikonen sind, und Sie werden verstehen. Da kämpft sie, saust und wütet, die überlegene und lang gehinderte, in unzähligen Gestalten von Kommissarinnen, Detektivinnen, Killerschnapperinnen aller Art oder erfolgreichen Killerinnen, daß uns das lose Kinn unter dem aufgerissenen Mund hängt, und welche Wonne des Entzückens, wenn sie dann noch Handschellen und Revolver aus dem teuren Dessous - ganz Frau - empor holt und den harten Killer "gleich nach dem Bikiniwettbewerb" so nebenbei in Ketten legt!

Wie aber sollte die Sprache diese neue "Wirklichkeit" zu (er)tragen lernen?

Hilfreiche Versuche dazu wurden schon in den Achtzigern unternommen und zielten zunächst auf die genannte Neutralisation der Geschlechter im Sprachgebrauch hin; hier ein Beispiel: "Die Kellner, welche in der Nähe war, bot der Besucher Hilfe." Das soll heißen: "Die Kellnerin, welche in der Nähe war, bot der Besucherin Hilfe."!

Dieses Beispiel folgt einem Prinzip, welches im Jahr 1984 die Neutralisation der Geschlechter dadurch zu bewerkstelligen suchte, daß es die weibliche Endung -in ausließ und das Neutrum als Oberbegriff deklarierte. Dieses Prinzip beruhte auf dem geistigen Einsatz einer der Koryphäen feministischen Sprachumbaus, die, als Prof. Dr. der Sprachwissenschaft, Publizistin und Autorin von nicht durchweg ganz so lustigen Büchern, sich einen Protagonistinnen Anteil in den neueren frauenbedachten Entwicklungen sicherte und heute ein sog. Institut für feministische Biographieforschung irgendwo treibt.

Zugegeben: Es war nur ein erster Versuch. Nur wenige Jahre später (1990), und die Geisteswissenschaftlerin schlägt mit dem inzwischen ausgereifteren Konzept erneut zu: Das -in muß nun für beide Geschlechter wieder her, denn -in ist wieder in, und out ist -er. Unser Mustersatz von der zuvorkommenden Kellnerin müßte jetzt heißen: "Der Kellnerin, welcher in der Nähe war, bot dem Besucherin Hilfe", und meint diesmal einen männlichen Kellner und einen männlichen Besucher, exakt so, wie es in der herkömmlichen Sprache der Satz: "Der Kellner, welcher in der Nähe war, bot dem Besucher Hilfe", täte.

"Alle Menschen werden Schwestern", lautete in Schillers Land die Hymne des Eroberungszuges gegen die begehrten Sprachgefilde 'hoher Ahnen' der deutschen Sprache, so auch der Buchtitel des erneuerungsträchtigen weiblichen Genius (Prof. Dr. Luise F. Pusch) zu jener Zeit, und prompt besaß die Republik, eine Republik, die der Doktorin scheinbar nicht mit Erfolg erklären konnte, warum "erlassen" nicht "sielassen" heißen muß und "der Bahnhof" nicht "die Bahnhof", ein Mahnmal gegen das, wozu der Sprachrandalismus frauenrechtlerischer Aufsässigkeit alles imstande wäre, 'wenn man(n) ihn nur ließe'.

In der 'Rosenstadt' Eutin (Holsteinische Schweiz) hat man einmal den Damen nicht bloß Rosen geschenkt, sondern mal was Vernünftiges: Die ganze Amtssprache! Dort ließ man nämlich eine Radikalfeminisierung der Amtssprache durch. Von Amts wegen gab es in Dokumenten und offiziellen Mitteilungen nur feminine Bezeichnungen, nur "Bürgerinnen" und "Bürgermeisterin" (beim männlichen Bürgermeister, versteht sich), damit Männer erleben konnten, wie 'schwer sie an ihrer Feminisierung tragen' und welchen Schwund ihre Identität dadurch erleidet! Eine Meldung darüber, daß während dieser Zeit der Bürgermeister eine Identitätskrise hatte, gab es allerdings nicht!

Weitere 'Siege' feministischer Beharrlichkeit in Sachen Frauensprache werden gefeiert, deren Gewichtung dem Erwachsenen nicht so ganz einleuchten will, wie der im Internet präsentierte Sieg jener Gleichstellungsbeauftragten, denen die Streichung des Kürzels BH (stehend für Buchhaltung) aus den Gehaltsabrechnungen einer Stadtverwaltung gelang, weil das Kürzel auf das bekannte Teil von Frauenunterwäsche hinweisen könnte!

Und hat sich wohl der Streit bis heute entschieden, oder ist er nur vertagt, der vor Jahren Gemüter in endlosem Disput darüber erhitzte, ob diese sich als Angehörige ihrer Partei "Mitglieder" nennen dürften oder nicht? Gar kein leichter Fall. Hat doch das Wörtchen "Glied" enorme Tücken! Obwohl es ein Neutrum ist und lexikalisch nichts anderes als "bewegliches Körperteil" und im weiteren Sinn "Teil eines Ganzen" bedeutet, schien es erwachsenen Männern und Frauen ein sprachliches Hindernis zu bieten, bloß weil es im saloppen Umgang eine Möglichkeit zuläßt, das männliche Zeugungsorgan zu assoziieren und so dem Wort "Mitglied" für den, der nicht lesen kann, auch den Sinn "mit Glied" verleihen könnte, was dann für Menschen ohne Glied diskriminierend wäre! Das Wort schleicht sich also als Neutrum an und trachtet wie ein listiges trojanisches Pferd Trojanerinnen zu überfallen, die arg- und ahnungslos den Titel "Mitglied" übernahmen, um dann vor denjenigen, die es sind, aber auch haben, als solche dazustehen, die es, ohne es zu haben, sind. Gefahr, ja abgrundtiefe Not! Läßt diese sich vielleicht mit Feminisierung bannen? "Mitgliederinnen" etwa? Oder gar "MitgliederInnen"? Nein, da soll man/frau immer noch "mit Glied" da stehen. Vielleicht: "Liebe Ohnegliederinnen und Mitglieder unserer Partei..."? Verflixt! Diesem Wort wohnt aber auch Diskriminierung inne. Das "Glied" muß weg, ganz sicher. Ob mit Mit- oder ohne. "Liebe OhnegliederInnen..."? - Gar kein leichter Fall!

Aber einer von vielen, in welchen der Paroxysmus solcher Dispute die eigentliche, zu behandelnde Problematik darstellt, leider aber als solche übersehen wird.

c) Die "gerechte Frauensprache"

Erst nach der ideologischen Nivellierung der Geschlechter ist für den Radikalfeminismus das Feld geräumt, auf welchem er das Konzept seines wahren Zieles, das sich - betrachtet man das ganze Spektrum radikalfeministischer Anliegen - zwischen der gesetzlich verankerten Benachteiligung und der Ausrottung des "sekundären Geschlechts" bewegt, hinstellen kann. Wir wissen, wie schnell 'der kleine Unterschied' ins Immense wachsen kann, sobald er aus Aspekten betrachtet wird, die scheinbar oder tatsächlich zu Lasten des Mannes ausgelegt werden können.

Sprachlich gesehen, sind wir dem Vorschlag einer Eliminierung des Männlichen schon zu Beginn der Neunziger begegnet. Daß sich die grotesken reformatorischen Vorschläge der radikalfeministischen Gelehrtinnen nicht durchsetzen ließen, wurde zum Glück selbst unserer wirren Zeit klar. Der Anspruch aber, der sich in diesen äußert und der, wo nicht die Eliminierung, so doch die Zweitstellung des Maskulinen in jedem Falle fordert, existiert weiter und stellt sich uns als die dritte Ph(r)ase der feministischen Sprachgestaltung, die 'gerechte Sprache' vor. Wie es Feministinnen formulieren: "Während geschlechtsneutrale Sprache beide, männliche und weibliche Formen, beinhaltet und somit also auch Frauen sprachlich einschließt, legt 'gerechte' Sprache noch mehr Betonung auf das Femininum, das explizit aufgeführt wird."

Das "noch mehr Betonung" bezieht sich auf den unbedingten Vorrang des Weiblichen in jeder Äußerung. Auf der gleichen Internetseite, auf welcher sich das vorige Zitat befindet und die sich "Frauen- und Lesbenpolitisches" nennt (und nicht nur dort), finden wir die relevanten Ratschläge, die zur Durchsetzung einer "gerechten Frauensprache" praktiziert werden sollen. Unter anderem lesen wir dort: "Verwende das Titanic-Prinzip: nenne Frauen und Kinder zuerst."

Daß sich uns hier eine 'Gerechtigkeit' auftut, die für ein Recht auf Vorrecht und so für Unrecht, das sie "gerecht" nennt, plädiert, wird als feministisches Prinzip den Leser dieser Seiten nicht mehr überraschen können. So weit haben wir bisher den neueren Feminismus gut beschrieben. Auch wird uns weder die makabre Geschmacklosigkeit schockieren, mit welcher hier die Assoziation weiblichen Vorrechts in der Sprache mit einem Ereignis (Titanic-Untergang) in Parallele gesetzt wird, das einst Männern einen unschönen und unschuldigen Tod zugunsten von Frauen bescherte, noch die Konsequenz der Verfolgung des Maskulinen bis hinter das Neutrum ("nenne Frauen und Kinder zuerst") beeindrucken.

Es lohnt sich aber festzuhalten, daß es sich beim "Titanic-Prinzip", welches sich auf den Vorrang der Rettung weiblichen Lebens in Katastrophenfällen bezieht, wie auch bei all den Umgangsformen, die ein Verhalten nach dem Prinzip 'Ladys first' fordern, nicht um Errungenschaften des Feminismus handelt! Was solche Prinzipien ersann und durchsetzte, war der maskuline Anspruch auf Verantwortlichkeit und Größe, die sich in der Zurückstellung der eigenen Person bis zur Selbstlosigkeit gegenüber dem Schwächeren äußern sollte; dazu gesellte sich in Rettungsfällen der Gedanke an die Sicherung der Nachkommenschaft. Letzteres mag bei den heutigen Bevölkerungsverhältnissen nicht mehr von Belang sein. In jedem Fall haben wir aber hier eine Gesinnung, die man nicht anderes als edel bezeichnen kann.

Der Feminismus ist mit der Weiterführung solcher Prioritäten sehr einverstanden. Indem er aber ihren Sinn mit "noch mehr Betonung auf das Femininum" oder das Hinstellen des Mannes als das "sekundäre Geschlecht" sexistisch auflädt, setzt er anstelle von Selbstlosigkeit Egozentrik und anstelle des Edlen Elendes. Es ist eine charakteristische Transformation, es ist Feminismus pur.

Es wäre interessant, die Tatsache einer Analyse zu unterziehen, daß sich in dieser Hinsicht beide Geschlechter gleich verhalten. So machen z.B. Politiker wie Politikerinnen den Eindruck, daß sie lieber auf der Stelle zurücktreten würden, anstatt in ihren Reden auch mal von "Bürgern und Bürgerinnen" zu sprechen. Doch dies soll uns hier nicht beschäftigen.

Wir wollen vielmehr weiteren Veränderungen nachgehen, die wir in Bezug auf den allgemeinen Umgang mit maskulinen Begriffen in der öffentlichen Sprache von heute wahrnehmen können. Und da sieht es ziemlich schlecht aus. Denn dafür, daß die "gerechte" Feminisierung der Sprache sich im Grammatikalischen nicht vollends durchsetzen konnte (die maskulinen Archilexeme, also maskuline Substantive, die das Feminine mitmeinen, wie z.B. "der Bürger" etc., sind geblieben), verlagert sie die Zurücksetzung des Maskulinen in den qualitativen Bereich mit dem Erfolg, daß Wörter, die Männliches direkt ansprechen oder auch nur verdachtsweise andeuten, immer dann gemieden werden, wenn mit ihnen Qualität oder Leistung einhergeht (z.B. "Feuerwehrleute retteten in hartem Einsatz die von dem Feuer bedrohten Familien..."), und sonst nur als Negierungselemente verwendet werden. So wird z.B. ein Satz, der mit den Worten "Männer sind..." oder "Alle Männer sind..." beginnt, in aller Regel mit Vorwurf, Beleidigung oder Ironie enden, dagegen bei "Frauen" mit Anteilnahme, Lob, Bewunderung! Der Leser wird es schon beim zufälligen Durchblättern in aktuellen Medien zu jeder Zeit bestätigen können.

Das Meiden gelingt am unauffälligsten dort, wo die entsprechenden Begriffe im Plural erscheinen. Die nützliche Endung "-leute" tut da hervorragende Dienste, und die Grundwörter "Bergmann", "Seemann" oder "Feuerwehrmann" lauten in der Mehrzahl nur noch "Bergleute", "Seeleute" und "Feuerwehrleute", auch dann, wenn es sich faktisch um Männer handelt, die z.B. in einem Grubenunglück, bei einer Havarie oder beim Feuerwehreinsatz verletzt, bzw. getötet wurden oder sich durch Leistung auszeichneten. Angesichts der Tatsache, daß noch im Universal-Duden der Ausgabe von 1984 die Wörter mit -leute am Ende noch nicht als selbständige Lemmata vorhanden sind, sondern nur in Kommentaren vorkommen, ist die Konsequenz und Schnelligkeit, mit welcher die Wörter mit -männer am Ende in öffentlichen Mitteilungen verschwanden, beachtlich. Einzige Ausnahme: In den Nachrichten über Streiks im öffentlichen Dienst dürfen getrost weiterhin "Müllmänner" streiken. Ob uns Männern dies Refugium von einem Bewußtsein überlassen wird, das selber zu elitär ist, um auch Männerdomänen sprachlich zu erstürmen, die weder mit besonderen Verdiensten noch mit imponierenden Leistungen assoziiert werden können?

Welchen Grad die Hellhörigkeit 'frauenfreundlicher' Rumhorcher gegenüber dem Wort "Mann" bzw. "Männer" erreicht hat, zeigte es sich spontan in einer Radiosendung des Bayern-5-Aktuell (Chronik der Woche am 29.10.00) über die Affäre um einen Fußballtrainer, dem Drogenmißbrauch vorgeworfen wurde. Im Rahmen der Untersuchungen zu diesem Fall wurden verschiedene Herren aus der Fußballszene interviewt. Einer von ihnen wurde in der Sendung kurz zitiert. Zur Einleitung des Zitats kommentierte der Radiosprecher dieses mit der Bemerkung im voraus, der Interviewte meine wohl, daß Fußball eine reine Männersache sei. Ich wurde darauf etwas neugierig zu hören, mit welchen Worten ein Mann den Mut bekundet, so frei gegen den Strom gegenwärtiger Klischees zu steuern. Doch nichts dergleichen war in der darauffolgenden Aufnahme zu hören. Im Schlußsatz des Interviews lediglich, in welchem die Rede von einem Gespräch des Herrn mit anderen Männern war, kam die Bemerkung: "Es war ein Gespräch unter Männern."

Was bewegt unseren feministischen Aufpasser, da gleich eine Diskriminierung zu argwöhnen, wo lediglich der Gebrauch des Wortes "Männer" vorliegt? Offenbar die Tatsache, daß hier das Wort "Männer" von einem Mann selbstbewußt gebraucht wurde, ohne eine negative Assoziation damit zu verknüpfen. Sicher, es hätte auch heißen können, "es war ein Gespräch unter Erwachsenen". Aber haben denn Männer nicht das Recht, erwachsene Männer schlicht "Männer" zu nennen und als solche miteinander Gespräche zu führen? Wohl nicht! Aber in einem Satz mit dem Inhalt "es waren mehrere Männer, die die Tat verübten" oder "zwei Männer überfielen eine Tankstelle" hätte unser Sensibelchen sicher nicht das Vorurteil gewittert, Frauen können keine Tat verüben oder keine Tankstelle überfallen. Und es hätte wohl auch nicht das Geringste dagegen, wenn Fußballerinnen von einem Gespräch unter Frauen gesprochen hätten.

Auffallend ist auch die neuerdings modisch gewordene Nachrichten-Floskel, wonach ein autoritärer Machthaber wie ein "Patriarch" regiert. Nicht daß es hier an richtigen Begriffen fehlte: "Monarch" ist sicher das richtige Wort, in krassen Fällen auch "Diktator" oder gar "Tyrann". Zudem ist "Patriarch" auch deswegen ungeeignet, weil es in vielen und noch heute lebendigen Kulturen einen respektierten Klang besitzt: Die Patriarchen des späteren Buddhismus sind die Männer, die als Überlieferer geachteter Kenntnisse und Praktiken verehrt werden, in den östlichen Kirchen sind es die Erzbischöfe, im Alten Testament die Begründer des Judentums, bis in das Neue Testament hineinwirkend. Aber Wörtern wie "Monarch" oder "Alleinherrscher" fehlt der entscheidende Kick; sie sind - obwohl schön maskulin - dem Femosexisten nicht relevant genug, denn das Archilexem "Monarch" deutet nicht unbedingt auf einen Mann hin (man denke an "Arzt" oder "Professor"), das Wort "Patriarch" aber spricht das Geschlecht unmittelbar an.

Weitere 'Sprachgerechtigkeiten'? Ganz im Subtilen: Als dem "vermeintlich starken Geschlecht" nunmehr in aller Munde, wie das abgedroschene Zitat uns nur noch das Attribut "stark" zubilligt, soll uns auch das Offensichtlichste genommen werden und dem 'wahrhaft starken Geschlecht', der Powerfrau, jenem verbalen Gespinst, dem Sprache nicht einmal eine Heimat bietet, sondern ins Niemandsland zwischen zwei Sprachen bannt, einverleibt werden. Im Sex leisten wir nicht mehr den "aktiven" Beitrag, sondern übernehmen den "aggressiven" Teil, so will es das neue SexualforscherIn, denn die "Wahrheit", daß jeder Mann ein Vergewaltiger ist, will zu ihrer Sprache kommen.

"Der Schläger geht, die Geschlagene bleibt", so einfach ist das! Mit soviel Entgegenkommen vereinfachte uns die Gerechtigkeitsministerin den komplexeren Inhalt des neugeschneiderten Wohnungszuweisungsgesetzes in den Medien und ließ die arme Schlägerin wieder mal chancenlos vor den Toren der Gerechtigkeit um Anerkennung schmachten! Dabei tun weibliche Schläger wahrhaft ihr Bestes, wie vielmals schon nachgewiesen, und wo Gewalt und Handgreiflichkeit am zukunftsträchtigsten angewandt werden - gegen Kinder -, läßt uns das neue Powergeschlecht nichts missen. Was ist also mit der Furie, Frau Ministerin, die eben vor ein paar Stunden (wie es der Zufall so will) in der Innenstadt gegen das unschuldige Kind wütete? Sie packte es am Nackenteil des Kragens und achtend, daß die Beinchen den richtigen Winkel nehmen, schmiß sie es mit Gewalt gegen den harten Boden der B-Ebene, auf dem der kleine Körper frontal prallte. Entsetzte Passanten: "Der arme Junge!", "... was für eine Mutter!" "Bleibt" sie nun, oder "geht" sie? - Wie? "Die Schlägerin" führen Sie nicht in Ihrem Vokabular? Dann sollten Sie aber dringend Ihre Begriffswelt erweitern! Viele Kinder wären Ihnen dankbar dafür, viele Männer auch. Übrigens spricht das genannte Gesetz von "gewalttätigen Partnern" und da sind beide - "der" und "die" - gemeint.

Aber aus der gleichen Quelle haben wir schon mal auf diesen Seiten Rechtsvorstellungen zitiert (Vorwort, 2. Teil). Paßt schon!

Zu bemerken wäre da noch der spöttisch-ironisierende und erniedrigende Stil, in welchem Männliches vorwiegend in sog. Wissenschaftsblättern in Worten und lächerlich arrangierten Statistenbildern immer dargestellt wird. Das auf diesen Seiten mehrmals zitierte Heft von Gruner+Jahr ist nur deswegen oft zitiert worden, weil es zur Zeit der Entstehung dieser Webseite aktuell war, nicht, weil es in dieser Hinsicht einmalig wäre. "Männer im Zoo, Frauen im Büro", "Die Natur will die Frau" oder "Frauen sind einfach besser", sind nur einige Untertitel aus dem Konzept. Degradiert werden hier Männer zumeist von ihresgleichen. Sie werden dargestellt als "Samenspender" und "Lustobjekte" vorerst nur weniger Frauen (schade!), die so "konsequent und unabhängig... wie der Popstar Madonna" sind (neuerdings soll der Popstar in Videoclips die "Samenspender" in Gesellschaft einer aufgegabelten 'Sister in Crime', reihenweise abknallen). Und das Abtreten auch dieser letzten Eigenschaften der Männlichkeit in prognostizierter Zukunft, in welcher Frauen den Reproduktionsprozeß ganz allein übernommen haben werden, bedauert ein solcher "Samenspender", ein solches "Lustobjekt" unter den Autoren heute schon. Armer Wicht! Einmal (März ´98) fand sich sogar in der gleichen Zeitschriftenreihe ein Satz, in welchem die Begriffe "Männchen" für die Männer, aber "Frauen" für die Frauen gebraucht wurden.

Soweit solche 'wissenschaftlichen' Stellungnahmen von männlichen Autoren bezogen werden, ergeben sich interessante Fragen nach den Gründen. Wir werden diese hier nicht besprechen. Ein naheliegender Verdacht aber auf masochistisch geprägte Bereitschaft zur Selbsterniedrigung in manchen dieser Fälle, läßt sich nicht ohne weiteres abtun. Wie heißt das charakteristische Flehen? "..., gib mir Tiernamen."? Nun, "Männchen" oder "Männer im Zoo" mag bei dem derart Veranlagten ähnliches bewirken. Dann wäre es aber doch ziemlich erbärmlich, wenn solche Neigungen heutzutage auf diesem Umweg auch den Leser belästigen müssen, dessen Gemüt ganz anders zu diesen Dingen steht. Und so stellt sich hier noch die Frage: Angesichts dessen, daß derlei Lektüre - wie es bei allen Magazinen über Wissenschaft und Technik der Fall ist - von einer vorwiegend männlichen Leserschaft konsumiert wird, boykottieren Männer Männerfeindliches viel zu wenig?

Die Titanicisierung der Sprache also, wenn auch im Formal-Grammatikalischen nicht ganz vollbracht, grassiert im Qualitativen um so stärker. Aber lassen wir das tägliche Gekläff der braven Pudel, die im Schoße des Feminismus "Männchen" machen und gleich da knurren, wo der böse ausgediente Mann auch nur als Gesprächspartner seinesgleichen erscheint bei Seite; die Männer, die kurz vor dem Millenium-Beginn ihre Teleskope irgendwo da draußen ausrichten, um pünktlich dann die Erde anzusteuern, stört das nicht. Auch nicht all die Jungen, die lieber an ihrer Stereo-Anlage oder an ihrem Computer basteln, anstatt sich an Schminke und Klamotten zu ergötzen. Was also ist Sache? Was tut die Sprache, und wer macht sie? Wie weit kann sie gehen, und wie weit folgt ihr das Leben, wie es wirklich ist? Wann glaubt es ihr, und wann wirft es sie ab?

Und wie spricht heute der Feminismus? "Immer noch", beklagt sich frau in brillanter Korrektheit, "sind erst zehn Prozent der InternetbenutzerInnen weiblich". Und da hilft das große "I" mitten im Wort auch nicht sehr. Auch nicht, daß DER SPIEGEL verkündet: "Frauen erobern das Internet". Mögen sich diese Zahlen auch ändern (Internet ist ein Abbild der Gesellschaft und da sind Frauen nicht unterrepräsentiert). Doch es genügt ein flüchtiger Blick auf die diversen Foren und geschlechterspezifischen Seiten dieses Netzes, um gleich zu wissen, wer hier Zukunft im voraus ahnt und bereitet und wer im schwülen Dunst persönlicher Gefühlswelten seine Heimat findet. Gewiß, uns Männern "fehlt" dazu "ein weiblicher Nerv" im Gehirn, läßt uns SPIEGEL-ONLINE wissen (13. April 2000). Welches Glück!, spricht der 'Macho', jene gesündeste aller Figuren im Vokabular der Geschlechterkämpfer.

Nach letzten Beobachtungen scheren sich die Männerdomäneneroberinnen nicht allzu sehr um die eroberten Domänen. Als Traumberufe bleiben für beide Geschlechter die alten guten plus ein paar neue, die 'Hebel der Macht' werden von der Weiblichkeit nicht so erstürmt, wie die Drahtzieherinnen es gern hätten, und die ersehnte, aber ausgebliebene Invasion der Flintenweiber in die Kasernen läßt uns vermuten, daß eher Frau Kreil mit ihrem Rückzieher die sog. Frauenbewegung repräsentiert als die in Modergeruch allmählich absinkenden Achtundsechziger-Amazonen. Von der "Frauenbewegung, falls es denn überhaupt eine gibt" sprechen nun auch die, die einst in dieser die Kulturrevolution unserer Zeit sahen.

Was machen wir nur falsch? Wie soll man das Problem benennen, um endlich bei einem wirklichkeitsgetreuen Begriff anzukommen?

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