BEGRIFFE - TEIL II
Disput im Land der DichterInnen und DenkerInnen
D
aß Sprache Macht bedeutet, hat der Feminismus früh erkannt und sich mit Vehemenz daran gemacht, dieses wichtige Organ des kollektiven Menschen gänzlich für seine Zwecke zu vereinnahmen. Die Art wie er es fertigbrachte, in die Sprache einzugreifen und sie mit seiner 'Korrektheit' zu durchsetzen, indem er Begriffe schuf, umgestaltete oder umdeutete, um - je nach Bedarf - entweder die Geschlechter zu nivellieren oder deren Unterschiede zu Lasten des Mannes zu definieren, haben bisher leider nur wenige aus dem Kreis der mit dieser Korrektheit nicht Infizierten, als eine Kulturplage empfunden. Dagegen fungieren die meisten Medien als Urheber, Träger und zugleich untrüglicher Spiegel dieser Entwicklungen.
Einen Konsens darüber, wie die 'richtige Sprache' endlich aussehen soll, konnte der neuere Feminismus bisher nicht schaffen. Die theoretische Problematik, welcher sich die Sprachmacherinnen gegenwärtig widmen, hängt mit dem Dilemma zusammen, ob sich das grammatikalische Genus ("der", "die" und das Neutrum "das") mit seinem darauffolgenden Substantiv auf geschlechtlicher Differenzierung, also dem Sexus, beruht oder ob es ursprünglich für andere Kategorien als die geschlechtlichen stand.
Da sich diese Frage als diskutable erweisen kann und auch in vorfeministischer Vergangenheit gelegentlich aufgegriffen wurde, machen die Vertreterinnen einer 'neuen frauengerechten Sprache', die von derlei Fragestellungen ausgehen, einen durchaus ernsthafteren Eindruck als diejenigen Feministinnen, die in einer sexusbezogenen Grammatik das Instrument einer gewollten 'patriarchalen' Sprachunterdrückung sehen, die es heute durch Umkehrung der Sprachregeln zu rächen gilt - bis auf die Tatsache, daß erstere häufig den Sexus als eine der primären Kategorien, anhand derer der Mensch sein Denken und so auch seine Sprache gestaltete, ziemlich unterschätzen. Denn dem Einsichtigen wird es nicht leicht sein, anzunehmen, daß der Mensch mit seinem Denken zwischen groß und klein, stark und schwach, hell und dunkel, Berg und Tal, hoch und flach etc. unterscheiden lernte, weniger aber zwischen Mann und Frau.
Eine ganze Fülle von grellen Vorstellungen aber breitet sich vor uns aus, wenn wir beginnen, die Modelle einer 'neuen frauengerechten Sprache' zu betrachten, die in den Köpfen der Feministinnen der zweiten Liga hausen. Hier wird der Vorgang, der zur neuen Sprache führen soll, in drei Ph(r)asen dargestellt.
Indem wir im folgenden diese Ph(r)asen durchgehen, wollen wir die sich dabei bietende Gelegenheit nicht versäumen, einen Einblick in die charakteristische Methodik feministischen Vorgehens zu gewinnen:
a) Die "patriarchale Sprache"
In der ersten, der zu überwindenden Phase, haben wir es mit der 'patriarchalen Sprache' zu tun; das ist die uns gewöhnliche Sprache, welche als die Erfindung eines konspirativen Männertums geheimbündlerischer Art gedeutet wird, deren Zielsetzung einzig war, die Frau sprachlich zu benachteiligen und zu unterdrücken, um so das Machtverhältnis des Mannes über die Frau mittels der Sprache zu manifestieren.
Warum dies nicht so ist, werden wir etwas später, im dritten Abschnitt dieses Beitrags, besprechen. Es ist aber schon an dieser Stelle nützlich, darauf hinzuweisen, daß dieser Behauptung durch allzu viele Sprachinhalte widersprochen wird. So haben wir in Fällen, in denen Machtverhältnisse zementiert werden sollten, eindeutige Ausführungen einer sprachlichen Manifestierung dieser Verhältnisse, wie z.B. in den Wörtern "Herr" und "Sklave" oder "Diener". Daß aber das Machtgefälle in der sog. patriarchalen Sprache nicht geschlechtsspezifisch ausgerichtet ist, erkennt man daran, daß es parallel dazu auch die Begriffe "Herrin" und "Sklavin" oder "Dienerin" gibt. In vielen 'patriarchalen Sprachen' ist "Herrin" die gewöhnliche weibliche Anredeform in vollkommener Entsprechung zu der männlichen, "Herr" (gerade in südeuropäischen Sprachen z.B.)


