BEGRIFFE - TEIL III
Die Inflation im Denken und in der Sprache des Feministen
Als unbezweifelbare Tatsachen eingehämmert, geistern diese Begriffe im Bewußtsein des modernen Menschen wie Selbstverständlichkeiten und überdies wie Garanten für seine zeitgemäße Aufgeschlossenheit und Progressivität. Und so geschieht es, daß selbst kritische Betrachter des Feminismus seine Begriffe eins zu eins übernehmen, mit diesen sogar ihre Positionen darzustellen suchen, ohne zu realisieren, daß sie damit schnurstracks ihm auf den Leim gegangen sind! Auch sie seien "emanzipiert", wollen den "Geschlechterkrieg" beenden, rufen Hals über Kopf zu "Männerbewegungen" auf.
Doch eine jede Bewegung beginnt im Geist und vollzieht sich zunächst als eine Begegnung mit Begriffen. In diese sollte man aber zuerst hineinschauen.
Was also ist die "Frauenbewegung"? Welches Phänomen nennen wir so? Wie und wo begann es? Wer stiftete seine intellektuellen Grundlagen, und wer verschaffte ihm die gesellschaftlichen Voraussetzungen? In welchen Teilen der Welt findet es statt und was sagt uns dies? Welche Mittel stehen ihm zur Verfügung, und welche Bedeutung hat dabei der Mann? Ist es überhaupt eine Bewegung von Frauen oder eher eine für Frauen, denn wie weit identifizieren sich die Frauen im allgemeinen mit ihr? Ja, ist es überhaupt eine Bewegung? Oder eher ein großes Stauen, das weibliche Energie und Intelligenz wie ein Schwarzes Loch ansaugt und vertilgt?
"Geschlechterrollen"? Aber in welchem Theater? Wer inszeniert sie? Und gibt es auch Geschlechterwirklichkeiten? Können denn Rollen überhaupt beliebig vergeben werden, oder müssen Rollenträger bestimmte Eigenschaften vorweisen, auf welchen ihre Rollen erst beruhen können? Wenn es so wäre, warum spricht der Feminist so wenig von diesen Grundlagen, von den Eigenschaften der Geschlechter, aber allenthalben von ihren Rollen? Ist er vielleicht deren Erfinder?
Zeit wird es auch endlich zu erfahren, wer im berüchtigten "Geschlechterkrieg" an der Seite des Mannes kämpft. Gibt es ihn wirklich, den Geschlechterkrieg, oder ist er bloß ein Krieg gegen den Mann? Aber wer führt ihn, bzw. was wird da geführt?
Und wie steht es mit der "Emanzipation"? So etwas muß man (frau) doch allein können. Es heißt: Der Mann sperrt die Wege. Was aber erwarten die Kriegerinnen im "Geschlechterkrieg"? Werden in Kriegen nicht immer die Wege des Feindes gesperrt? Und mit welchem Potential wurden derlei Sperren von den bereits "emanzipierten" Frauen bisher überwunden? Oder gibt es diese letzteren gar nicht? Und gibt es sie, würde ihr Potential fürs weitere ausreichen? Müssen Männer für die Befreiung der Frau überhaupt etwas tun? Wenn ja, warum sollten sie das, und warum werden sie vom Radikalfeminismus ausgeschlossen? Wenn nein, was soll dann das unaufhörliche Gejammer gegen sie? Schadet Feminismus der Emanzipation?
Wir wollen in den folgenden Beiträgen, die Grundbegriffe des Feminismus etwas genauer nach ihrer Bedeutung untersuchen. Denn eines sollten wir aus dem bisher Dargelegten bereits erkannt haben: Die gewaltsamen Attacken gegen die Sprache, mit welchen unsere Sprachmacherinnen zur Durchsetzung ihrer Akzente zu gelangen suchen, die gekonnten P(f)uschereien feministischer Gelehrtinnen und die rigoros verunstaltenden Berichterstattungen, welche uns feministische Schreiber und Schreiberinnen darbieten, nehmen ihren Ausgang in der Betrachtung der Sprache als eines Instruments allein der Macht und der Rache! Ästhetik, Ethik, Geist und Wahrheit samt aller Logik sind Ballast, durchschautes Blendwerk 'patriarchalen' Machtstrebens, die über Bord geworfen werden.
Waren aber vielleicht Ästhetik, Ethik, Geist und Wahrheit samt aller Logik bereits über Bord, als die "sanfte Revolution" erst ihre Sprache schuf? Denn was davon findet sich in den Grundbegriffen des Feminismus wieder?
Zu dieser Untersuchung kann nur ein Denken taugen, das in der Lage ist, mitten in aller Medien-Berieselung sein Wesen zu behaupten und dabei nach dem Sinn hinter den Floskeln Ausschau zu halten. Wir wollen es uns gestatten!
_____________________


