DER MASKULIST
05.03.2001

W

issen Sie eigentlich, lieber Leser, was der Unterschied zwischen "herrlich frei" und "beziehungsunfähig" ist? Nein? Also: "Herrlich frei" ist eine Frau, die allein lebt, "beziehungsunfähig" dagegen ist ein Mann, der allein lebt! Sie sollen aber noch eine Chance erhalten: Wissen Sie, was der Unterschied zwischen "positiver Diskriminierung" und "Diskriminierung" als solcher ist? Wie? Sie wissen auch das nicht? Nun: "Positive Diskriminierung" haben wir dann, wenn ein Mann auf Grund seines Geschlechts diskriminiert wird, und "Diskriminierung" als solche heißt es, wenn eine Frau auf Grund ihres Geschlechts diskriminiert wird! Aber dann wissen Sie höchstwahrscheinlich auch nicht, wie man das Internet nicht bloß benutzen, sondern es gleich erobern kann? Dann denken Sie bitte hier etwas nach... Ja, richtig: Männer "benutzen" das Internet, Frauen "erobern" es selbstverständlich gleich, selbst dann, wenn sie nicht einmal zehn Prozent der Internetbenutzer ausmachen, weil eben Frauen alles immer gleich "erobern", was Männer lediglich benutzen.

Aber vielleicht wissen Sie, was ein "Vorurteil" mit einem "Fernbild" gemeinsam hat? Nein? Fällt Ihnen auch hier nichts ein? Verständlich - das ist ja auch eine neuere Kreation. So haben Frauen, läßt uns ein Wissenschaftsmagazin anhand seiner Untersuchungen wissen, wesentlich mehr negative "Fernbilder" (Vorstellungen die ihrer Erfahrung mit den ihnen nahestehenden männlichen Personen widersprechen, also Vorurteile) von Männern, als Männer von Frauen haben. Mit dieser Umbenennung des Begriffs "Vorurteil" gelingt es dem Magazin, uns die Ergebnisse einer entsprechenden Studie zu unterbreiten, ohne in seinen Kommentaren in die peinliche Situation zu geraten, Frauen mehr Vorurteile gegen das andere Geschlecht zuschreiben zu müssen als Männern.

Denn von 'Vorurteilen der Männer' läßt es sich heutzutage prächtig reden und schreiben, aber wer will es schon wagen, den Frauen deren noch mehr zuzurechnen? Wäre es doch "frauenfeindlich" und für den Journalismus der Nach-68er (Wissenschaft hin, Wissenschaft her) schier unmöglich; zumal für ein Heft, das uns schon auf der Titelseite in die deftig-sexistische Botschaft einweiht: "Warum Frauen einfach besser sind" (ein irrtümliches "Fernbild" der Redaktion?)! Auf jeden Fall erweist es sich als ratsam, einen solch niedlichen neuen Begriff aus den Ärmeln zu schütteln, der da ein wenig aus der Verlegenheit hilft.

Doch ganz hinters Licht sollen wir deswegen auch wieder nicht geführt werden; weshalb sich wohl das wissenschaftliche Gewissen zu Beginn der Studie, einer Studie, die - wie gesagt - belegt, daß Frauen in der heutigen Zeit, also nach drei Jahrzehnten Radikalfeminismus, sich mehr Vorurteile gegen das andere Geschlecht angeeignet haben als Männer, bemüßigt sieht, uns mutig zuzusichern: "Aber auch Frauen" (wer hätte das geglaubt!) "haben ihre Vorurteile". Dezenter lautet dann allerdings das Endergebnis; es heißt: "Das Fernbild der Frauen von den Männern ist sehr viel uncharmanter: Fast alle herausragenden Konturen sind negativ."1 Nicht schlecht! Ob sich allerdings der in diesem Fall hilfreiche Begriff durchsetzen wird und wir einmal von den negativen "Fernbildern" Rechtsgesinnter gegenüber Ausländern zu sprechen haben werden, scheint eher unwahrscheinlich.

Das sind nur wenige, aus dem Medienalltag herausgegriffene Beispiele, die uns zeigen, wie gegenwärtiges Denken durch eine geeignete Auswahl von Begriffen dahin manipuliert wird, Negatives oder Unzulängliches dem Mann zuzuordnen, bei der Frau aber solches stets zu übergehen und ihr nur Positives und Kompetentes zukommen zu lassen.

Den Begriff im Griff haben, ist innigstes Anliegen jeder Ideologie, die ja ihr Wollen der Sprache aufzuzwingen trachtet. Weswegen es mit der bloß "richtigen" Begriffsauswahl noch lange nicht getan ist. Genauso wichtig ist es, die Begriffe, die nicht eigens zu diesem Zweck gebildet wurden - den Rest der Sprache also -, bei jedem Thema in semantischen Strukturen einzufangen, die - koste es (die Sprache), was es wolle - den Sinn ergeben, der die gewollte Suggestion liefert.

Dabei sind das Verheimlichen von Fakten, das Mißdeuten derselben oder das willkürliche Ersinnen von "Tatsachen" die üblichen Werkzeuge in einer Werkstatt, in welcher - leider immer häufiger - nicht nur Instrumente zur Durchsetzung politischer Anliegen des Feminismus hergestellt, sondern auch wissenschaftliche Gedanken passend umgeschmiedet werden, was vom Geistesfreund als besonders prekär empfunden wird und worüber wir uns einmal auf dieser Webseite ausführlicher unterhalten werden.

Freilich gelingt solches Unterfangen oftmals sehr schwer. Aber wo alle Stricke reißen, ist frau (oder man) auch bereit, Plumpheit walten zu lassen. Mit viel zu wenig Kritik ist Feminismus ohnehin verwöhnt, da darf er drastisch loslegen.

Das folgende Beispiel ist einem Blatt entnommen, das von den Anhängern der PDS zur Zeit der NATO-Bombardierung auf Jugoslawien (Kosovokrieg) als "zeitung gegen den krieg" (Nr. 2, 10. Apr. 1999) angeboten wurde. Dort lesen wir im Artikel "Frauen gegen den Krieg":

"Mütter von Soldaten haben eine Initiative gestartet, um eine weitere Eskalation des Krieges zu verhindern. Wir unterstützen diese Initiative und rufen alle Frauen auf, dazu beizutragen, die Gewaltspirale zu beenden. In brutaler Weise zeigt auch dieser Krieg im Herzen Europas: Es sind wieder einmal die Frauen und Mädchen, die Opfer von Mord, Vergewaltigung und Vertreibung werden..."

Wir wollen im folgenden das obige Zitat, welches den flüchtigen Leser nicht sonderlich beschäftigen mag, ihm aber gerade in solcher Unreflektiertheit um so mehr die beabsichtigte Suggestion einzupfropfen beste Gelegenheit findet, etwas näher untersuchen: Welche Fakten haben wir hier, zu welcher Suggestion werden diese verarbeitet, und wie geschieht es? Gehen wir diesen zunächst vielen als harmlos erscheinenden Text erneut, aber etwas genauer durch, und unsere Achterbahnfahrt kann beginnen! Es wird eine kurze Fahrt über Höhen und Tiefen sein, die uns erlauben wird, die semantische Landschaft zu erkunden, auf deren Höhen das aufblitzen soll, was der Geist dieser Formulierung uns glauben machen will, und in deren Tiefen das verborgen wird, was die mißbrauchten Fakten uns offenlegen würden, wären sie nicht der Gewalt tendenziöser Entstellung unterworfen.

Zunächst begegnen uns hier "Mütter von Soldaten", das heißt Mütter von Söhnen und nicht von Töchtern. Diese "Mütter" haben vor, "eine weitere Eskalation des Krieges zu verhindern". Was diese Frauen motiviert, ihre Initiative zu starten, muß aber unmittelbar mit ihrer Eigenschaft, "Mütter von Soldaten" zu sein, verstanden werden. Das Motiv dieser Frauen kann also nur in das persönliche, liebende Interesse an ihren Söhnen liegen, deren Leben und deren körperliche wie seelische Unversehrtheit im Krieg von diesen "Müttern" als gefährdeter erkannt werden als bei den zivilen Bevölkerungsgruppen, zu welchen weitere Kinder oder sonstige Verwandte dieser Frauen sicherlich auch gehören. Selbstverständlich ist ein solches persönliches Motiv auch konform zu all den kollektiven Bestrebungen gegen "eine weitere Eskalation des Krieges", mögen diese Bestrebungen aus politischen, wirtschaftlichen, ideologischen oder allgemein-pazifistischen Motiven heraus entstanden sein. Wichtig aber ist, daß uns die Aktion dieser "Mütter von Soldaten" auf keines dieser allgemeinen Motive, sondern eben auf ein ganz bestimmtes Verhältnis privat-emotionaler Natur als die Ursache hinweist, welches sich durch die Kenntnis der größeren Gefährdung ihrer Söhne, der "Soldaten", zur Tat veranlaßt sieht. Was diese "Mütter" an sich wollen, wird uns durch andere Medien genauer im Leitspruch jener vermittelt, der damals um die Welt ging: "Wir wollen zurück unsere Söhne und nicht ihre Särge".

Und so lautet unsere Frage: Was bezweckt dieser erste Satz, wenn er das persönliche Anliegen dieser "Mütter" ("unsere Söhne") in das allgemeine Ziel der Verhinderung "einer weiteren Eskalation des Krieges" einbettet und es so als Grundfaktor der Initiative dieser Frauen abschwächt? Die Antwort lautet: Nichts anderes, als das Leiden und die Not der primär leidtragenden "Soldaten" (Männer) im Kriegsgebiet zu verdrängen! Denn schon dieser erste Satz will auf etwas hinaus, was der Wahrheit der primär leidenden männlichen Bevölkerung in Kriegsgebieten total entgegen steht und was uns erst ein paar Sätze später und nach entsprechender Präparation der Fakten serviert werden soll. Deswegen wird als nächstes, und nachdem jeder Gedanke vom Leid der Männer schnell weggewischt wurde, unser Blick zusätzlich von den "Müttern" dieser gefährdeten Männer umgelenkt (sie waren ohnehin nur der Anlaß für eine verbale Plünderung) und gänzlich auf "Frauen" im allgemeinen gerichtet; wobei im gleichen Zug die Männer, um die es eigentlich bei diesen "Müttern" ging, nun völlig aus dem Blickfeld verschwinden. Einen anderen Zweck hat die darauffolgende Floskel nämlich nicht: "Wir unterstützen diese Initiative und rufen alle Frauen (aber keinen Mann!) auf, dazu beizutragen, die Gewaltspirale zu beenden."

Nun sind die Männer nicht nur von jeglichem Anspruch auf Mitleid ausgeschlossen, sondern generell und gemäß dem radikalfeministischen Separatismusprinzip hinausgeschmissen, und der männliche Leser muß so - entrechtet, verstoßen und irrelevant - mit ansehen, wie sein gestohlenes Leid von den femosexistischen Marktschreierinnen den "Frauen und Mädchen" feilgeboten wird! Wir lesen: "In brutaler Weise zeigt auch dieser Krieg (also auch alle anderen Kriege) im Herzen Europas: Es sind wieder einmal die Frauen und Mädchen, die Opfer von Mord, Vergewaltigung und Vertreibung werden" (feministisches Leidensmonopol).

Wie das Kamel, von dem man sagt, daß es zuerst nur mit dem Kopf in das Zelt eindringt und dann, wenn der Zeltbewohner nicht wachsam reagiert, das ganze Zelt für sich in Anspruch nimmt und seinen Bewohner daraus drängt, so steigen hier unsere Berichterstatterinnen (es waren derer zwei) in das Thema ein; ein Thema, das mit dem deutlichsten Hinweis derjenigen Frauen, die es am besten wissen müssen, auf das tragische Schicksal 'wehrfähiger' männlicher Jugend beginnt und dort endet, wo Männern nicht nur ihre ganze Tragik in selbstsüchtig berechnendem Selbstbemitleiden sexistischer Egozentrik aberkannt, sondern ihnen noch dazu jede Beteiligung an Verbesserung dieser ihrer Situation rigoros versagt wird!

Und da solcher Siegeszug über die nun überwundenen Männer die Angriffslaune nährt, geht der verbale Geschlechterkrieg unserer "Pazifistinnen" weiter. In dieser letzten Etappe wird uns jetzt auch die Legitimation des Zuges dokumentiert; es soll uns gezeigt werden, daß es mentale Funktionen sind ("männliche Logik" kontra "weibliche Vernunft"), die unabdingbar dafür sorgen, daß Frauen friedlich und so immer nur Opfer, Männer aber vom Denken her kriegerisch und so immer nur Täter sind:

"Der männlichen Logik, immer neue Stufen des Kampfes um den Sieg und damit der Eskalation des Krieges zu ersinnen (was tun Männer so den ganzen Tag auch anderes?), setzen wir die weibliche Vernunft entgegen."

Vielen Dank! Wir hatten eben eine Kostprobe.

Solcher Art Darlegungen und Berichterstattungen wird der einmal sensibilisierte Leser fast täglich in den Medien begegnen (siehe auch meinen "Brief an DIE ZEIT" hier unter "Briefe"). Es ist mehr als erstaunlich, daß Berichte wie dieser über die serbischen Mütter, die an informatorischer Nichtigkeit und formaler Grobschlächtigkeit vergebens ihresgleichen in der Medienwelt suchen, durch viele Jahrzehnte nun hindurch den Zeitgeist formen und - von den Medien zu Lieblingslügen gekürt - in der gesamten westlichen Welt den Status weltverbessernder Ansichten aufrechterhalten können!

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Quellen, Anmerkungen:

1. GEO WISSEN, Nr. 26, Seiten 55-57